BuchhändlerInnen im Portrait
aus Jena, Goethe-Galerie
- Gesamte Rezensionen
- 211 (ansehen)
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Facettenreiches Bild einer Frau- berührend, lebensnah und klugRezension vom 15.05.2013Wie sich die Protagonistin Xane zu einer gebildeten, unabhängigen und selbstbewussten Persönlichkeit entwickelt, beleuchten 14 Kapitel dieses Buches aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln und verschiedenen Zeiten. Überzeugend und lebensklug arrangiert die Autorin vielschichtige Beobachtungen und Erzählungen aus Xanes Umfeld, die insgesamt ein facettenreiches Bild der Hauptperson ergeben. Dabei haben mich selbst die Erzählung der Ärztin, die Xane wegen eines ausbleibenden Babys aufsucht, und die geistreichen Betrachtungen des betagten Vaters am meisten beeindruckt. Xane selbst kommt nur in einem einzigen Kapitel zu Wort. Die wunderbare Sprache fließt leicht und macht das Lesen zu einem unterhaltsamen und zugleich anregenden Vergnügen. -
BerührendRezension vom 10.05.2013Elsa ist seit mehr als 40 Jahren mit dem Künstler Martti verheiratet. Am Ende des Lebens vertraut sie ihrer Enkelin Anna schmerzvolle Erinnerungen an. Anna will mehr über die Liebe ihres Großvaters zu der jungen Frau Eeva erfahren
Die Autorin versteht es, in klaren Sätzen ihre Akteure zu zeichnen und dabei ihr Lebensgefühl eher anzudeuten als detailliert zu beschreiben. Von Beginn begleitet eine große Traurigkeit den Roman. Die Ähnlichkeit der Frauennamen und der Wechsel der Perspektiven und Zeitebenen machen das Lesen nicht einfach. Dabei sind es besonders die Rückblenden in die 60er Jahre, in das Leben von Eeva, die dem Roman Glaubwürdigkeit und Tiefe verleihen. Die Geliebte wird damit zur eigentlichen Hauptfigur des Buches. Das Leben der Frauen in der finnischen Familie muss sich der Leser zwischen den Zeilen selbst erschließen. Andererseits schafft die Autorin dadurch einen großen Raum für eigene Bilder. (Beispiel dafür könnten die schönen sogenannten Straßenbahngeschichten sein, die sich Martti und Anna über Mitfahrer im Verlauf der Handlung ausdenken.)
Wahr ist ein emotional berührendes und lesenswertes Buch einer noch jungen Autorin aus Finnland. -
Problematische Vater-Sohn-BeziehungRezension vom 10.05.2013Was passiert, wenn der tot geglaubte Vater plötzlich wieder auftaucht und in der Bilderbuchfamilie seines Sohnes eine Vormachtstellung einnimmt?
Wie in seinem ersten Roman Reise zu Lena ist auch das vorliegende Buch eine Abrechnung des Autors mit dem Patriarchat, und man darf vermuten, dass durchaus Parallelen zur eigenen Biografie von Alfred Neven DuMont bestehen.
Insgesamt aber konnte mich das kleine Buch nicht ganz überzeugen. Gekünstelte Dialoge erschweren den Zugang des Lesers zu einer problematischen Vater-Sohn-Beziehung. -
Bewegende RomanbiografieRezension vom 20.04.2013Zwar bezeichnet der Verlag das Buch de Vigans als Roman. Vielmehr ist es aber eine behutsame Biografie ihrer Mutter Lucile und der gesamten Großfamilie aus dem Paris der 50er und 60er Jahre. So stehen zu Beginn auch das bürgerliche Leben mit großen Feiern und langen Sommerurlauben ebenso im Zentrum des Buches wie zahlreiche Tragödien und Geheimnisse. Im zweiten Teil rücken dann als Ich-Erzählung das Leben und der Freitod der Mutter selbst in das Zentrum der Handlung:
Lucile war schon als Kind schön und geheimnisvoll. Dass sie dabei dem Leben nur schwer gewachsen war, wird spätestens in der Angst der Töchter offensichtlich, die schon früh die Zerbrechlichkeit und die Sehnsucht der Mutter nach dem Tod spüren.
Mit dem Buch nähert sich de Vigan tastend ihrer Mutter an, gleichsam als wollte und musste sie sich das Geschehen von der Seele schreiben. Fließend zu lesen ist das Werk dabei allemal, dabei interessant und tiefgründig. Die vielen Tragödien in der Familie berühren sehr.
Je tiefer man in das Buch eintaucht, desto mehr nimmt man Anteil an dem Leben einer ungewöhnlichen Frau, dem sich die Autorin nähert und das doch viele Geheimnisse bewahrt.
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Anstoß für eine DiskussionRezension vom 20.04.2013Man muss die sogenannte Wende in der DDR 1989 nicht unbedingt selbst erlebt haben, um nachvollziehen zu können, wie ohnmächtig, halt- und orientierungslos besonders Kinder und Jugendliche nach dem Ende der DDR reagierten. Eltern, die mit den Veränderungen kaum mehr Schritt halten konnten, eine Schulpolitik die, sich von einem Tag zum anderen grundlegend änderte, Freunde, die wegzogen . Sabine Rennefanz macht diese stille Wut der Wendegeneration zum Thema ihres Buches, sie begibt sich auf Spurensuche nach Eisenhüttenstadt und Jena und zeigt, welche Wege und Irrwege sie selbst gegangen ist.
Ich habe das Buch betroffen, interessiert und teilnahmsvoll gelesen und versucht, mich in die Denk- und Verhaltensweisen der damals Jugendlichen hineinzuversetzen. Das bisher eher unterbelichtete Thema und der Umgang von Sabine Rennefanz damit, haben mich bewegt. Auch wenn sich ihr Leben nur partiell mit den persönlichen Erfahrungen vieler Ostdeutscher deckt, kann das Buch Auslöser einer breiten Diskussion sein.
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Lebendige Kurzgeschichten aus dem Berliner KulturbetriebRezension vom 20.04.2013Aus dem Herzen Berlins erzählt die Autorin Geschichten, die zum großen Teil den Kulturbetrieb der Stadt spiegeln. Gewöhnliche Leute im Medienumfeld werden in der Öffentlichkeit zu Blendern und Wichtigtuern, sie spielen im wahrsten Sinn Rollen, geben etwas vor, was sie nicht sind. Adorjan versteht es, durch genaue Beobachtung und feine Skizzierung der Hauptakteure einige von ihnen hinter ihrer Fassade so lebendig und interessant erscheinen zu lassen, dass man sie selbst gern einmal treffen würde. Die Autorin nähert sich ihnen mit Sympathie, zumindest aber mit Respekt. Leider aber sind die Storys zu kurz, um als Leser mit den Handelnden vertraut zu werden, das Ende bleibt meistens offen.
So hat man dann irgendwann auch genug von Angebern und Karrieristen. Die Kurzgeschichte um die Psychotherapeutin Frau Weber ragt indes wohltuend aus der Sammlung heraus.
Gut geschrieben und versiert erzählt sind alle Geschichten, die Protagonisten sind fein gezeichnet. Aber am Ende ist es doch ein bisschen so wie in einem Boulevardmagazin über Schöne und Reiche, in dem man unangestrengt liest und am Schluss oft nicht mehr weiß, worum es am Anfang genau ging.
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Ungewöhnlich, überzeugend und schnörkellosRezension vom 20.04.2013Der kleine Band ist sowohl sprachlich als auch gestalterisch überzeugend. Der besondere Reiz ergibt sich aber aus der gelungenen Verknüpfung einer naturwissenschaftlichen Lehre (Darwin) mit dem persönlichen Umfeld einer Biologielehrerin in Brandenburg. Scharf, klar und desillusioniert betrachtet sie Menschen und aussterbende Ortschaften ihrer Heimat. Sehr lesenswert! -
Emotional und ohne Happy EndRezension vom 06.04.2013Das Buch beginnt wie ein Märchen: Die junge Frau Lou einfacher Herkunft trifft den reichen, behinderten und daher pflegebedürftigen Mann Will. Aber Will hat den Lebensmut verloren und will nachdrücklich sein Leben selbstbestimmt beenden. Mit ihrer Gradlinigkeit, mit Humor und unkonventionelle Ideen versucht Lou, ihn davon abzubringen. Dabei kommen sich beide näher.
Der hoch emotionale Roman zeichnet sehr ergreifend eine persönliche (Liebes)Geschichte um das Thema Sterbehilfe und das Leben mit Schwerstbehinderung. Obwohl nicht frei von Klischees, hat mich die Geschichte sehr berührt, auch weil es bewegend ist zu lesen, welche Energie und welchen Einfallsreichtum die junge Frau aufwendet, um Will von einem lebenswerten Leben trotz seiner Behinderung zu überzeugen. Durch die Schilderungen der etwas einfältigen Lou, die aber im Laufe der Romanhandlung eine durchaus nachvollziehbare Persönlichkeitsentwicklung erlebt, gerät man als Leser in ein wahres Wechselbad der Gefühle, die zwischen Traurigkeit, Heiterkeit und Rührung hin und her schwanken. Dabei ist die Liebesgeschichte der beiden Protagonisten zurückhaltend gestaltet und wird niemals peinlich.
Dass der Roman ohne Happy End auskommt unterscheidet ihn von einem modernen Märchen. Das ausdrucksstarke und gefühlvolle Buch von Joyo Moyes erfüllt nicht hohe literarische Ansprüche, es empfiehlt sich aber einem breiten Publikum.
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DDR Geschichte(n) mit WiedererkennungswertRezension vom 06.04.2013Mehrmals habe ich mich im Verlauf der 700 (!) Seiten gefragt, ob ich das Lesen dieses gewaltigen und ausschweifenden Romans nicht beenden sollte. Dass ich bis zum Ende durchgehalten habe liegt wohl auch daran, dass das Geschehen zum großen Teil in meiner Thüringer Heimat spielt und ich mich bei der Lektüre des Öfteren an kleine, fast vergessene Begebenheiten erinnern konnte. Die Werbung im DDR Fernsehen, der Handel mit Plusauflagen und Improvisationen in den Zeiten des Mangels sind Teil auch meiner eigenen Vergangenheit, die der Autor mit gewaltiger Detailfreude anhand von Lebensläufen einer Familie in die Erinnerung zurückruft. Leider aber fehlt dem Text dabei jegliche literarische Tiefe. Vor allem zu Beginn habe ich mich an eine Provinzposse erinnert gefühlt. Das Geschehen zerfranst, die Dialekte nerven, eingeführte Personen verschwinden, und das Buch im Buch war selbst mir dann endgültig zu viel. Trotzdem aber gelingt es Meinhardt, ein Alltagspanorama der kleinen Leute in der DDR zu zeichnen, das von seiner Sachkenntnis und dem Spaß am Fabulieren zeugt. So bin ich Willy und seinen Kindern letztlich doch mit Anteilnahme, zum Teil angestrengt, auch amüsiert und teilweise betroffen bis zum Ende gefolgt. -
Intellektueller BriefromanRezension vom 06.04.2013Einerseits geht es in diesem intellektuellen Briefwechsel zwischen dem Schriftsteller Basil und der Theologin Maja um philosophische Diskurse und den Theologen Karl Barth, zum anderen um Alltäglichkeiten im Leben der beiden Protagonisten.
So habe ich mit Vergnügen gelesen, wie es zunächst dem alternden Basil gelingt, zu der jüngeren, verheirateten Frau eine geistige Beziehung aufzubauen. In deren Verlauf spüren beide zunehmend eine einzigartige Vertrautheit und Nähe, sodass sie, als die Beziehung droht heikel zu werden, die Korrespondenz sogar abzubrechen versuchen. Letztlich aber hilft der Austausch beiden, besonders aber Maja, als deren Mann lebensbedrohlich erkrankt.
Die Gesamtheit der Briefe ergibt eine interessante und reizvolle Geschichte voll sprachlicher Akrobatik, Intelligenz und Wortwitz. Ich empfehle das Buch daher geübten Lesern, die Walser sehr anspruchsvoll zu unterhalten vermag.

















