BuchhändlerInnen im Portrait
aus Jena, Goethe-Galerie
- Gesamte Rezensionen
- 211 (ansehen)
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Zarte LiebesgeschichteRezension vom 30.06.2012Eigentlich wollte sich der Schriftsteller Sebastian Lukasser aus dem Leben der Anderen raushalten. Da zieht ihn die 14 jährige Nachbarstochter Madalyn ins Vertrauen. Schon in der Vergangenheit war er einmal ihr Schutzengel. Madalyn erlebt jetzt ihre erste große Liebe, zu Moritz, einem notorischen Lügner. Im Strudel der Gefühle ist sie zwischen Freude, Hoffnung, Zweifeln und Angst hin und her gerissen. Köhlmeier schildert klar und einfühlsam ein Mädchen in der Pubertät. Die Liebesgeschichte ist wunderbar zart und leicht erzählt und sowohl stilistisch als inhaltlich ein Lesevergnügen. -
Kleiner, feiner KriminalromanRezension vom 18.06.2012Aus der üblichen Kriminalliteratur herausragendes kleines Buch, das in äußerst verknappter Form von einem Bruderpaar und einer Entführung erzählt. Ravey schreibt spannend und literarisch anspruchsvoll, und er fordert die ganze Aufmerksamkeit des Lesers. In den wenigen Sätzen gelingt es ihm großartig, Situationen fassbar zu beschreiben und zugleich eigene Überlegungen des Lesers herauszufordern. „Bruderliebe“ ist ein feines Buch, über das man auch nach dem Ende noch länger nachdenkt. -
Skizze eines LebensRezension vom 18.06.2012Der Titel bestimmt den Ablauf des Buches. In kurzen Abschnitten skizziert Manuela Reichhart auf 100 Seiten ein Leben: Kindheit, Jugend, Ehe, Kinder, Scheidung, Alter, Gebrechlichkeit und Tod. Auch in der Literatur kann weniger manchmal mehr sein. Aber das Leben wird durch Höhen, Tiefen und Brüche bestimmt, die sich in dem vorliegenden Buch bestenfalls erahnen lassen, ohne mit Inhalt gefüllt zu sein. So bleibt die Hauptfigur eine Fremde, deren Leben mich als Leser nicht berührt. -
Liebesgeschichte mit französischem FlairRezension vom 18.06.2012Was durch das pittoreske Cover den Eindruck von einer schönen und heilen Geschichte vermittelt, entpuppt sich beim Lesen als Überraschung: Als die Icherzählerin von ihrem Mann plötzlich verlassen wird, gelingt es ihr zunächst nur mühsam, sich auf sich selbst zu besinnen. Fotos helfen ihr bei der Erinnerung an schöne und schmerzvolle Tage und letztlich bei ihrem Versuch, Leo zurückzugewinnen . Anette Hohberg ist mit Alles was bleibt ein Buch gelungen, das sich, nicht nur an der Oberfläche bleibend, unterhaltsam und zugleich durchdacht mit dem Ende einer einstmals großen Liebe auseinandersetzt. Besonders gefallen hat mir die Handlung an den existenten Pariser Schauplätzen, die ein stimmungsvolles Frankreich Bild vermitteln. Dazu gehören ganz wesentlich auch die ausführlichen Beschreibungen vom Einkaufen und Kochen, die von den Rezepten im Anhang ergänzt werden. Eine schöne Geschichte mit überraschendem Ende und ein passender Begleiter im nächsten Frankreich Urlaub. -
Philosophisches und selbstreflektierendes BuchRezension vom 24.05.2012Philosophisches und selbstreflektierendes Buch aus der Sicht einer Frau in mittleren Jahren (Mia), die nach vielen Ehejahren wegen einer jüngeren Frau (genannt die Pause) von ihrem Mann Boris verlassen wird und einen Sommer ohne Männer zur Selbstfindung nutzt.
Wie Siri Hustvedt nachdenklich, auch komisch, witzig oder wütend diese Auszeit von Mia beschreibt, ist immer hochintelligent, sensibel und sehr lesenswert.
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Einfaches Leben in ländlicher IdylleRezension vom 24.05.2012Adam und die Ich Erzählerin im neuen Roman von Birgit Vanderbeke kommen aus sozial sehr unterschiedlichen Familien, die ihr bisheriges Leben geprägt haben. Dabei gelingt dem praktisch veranlagten Adam scheinbar alles was er in die Hand nimmt. So verwirklicht er zusammen mit seiner Frau Stück für Stück einen Traum. Als Leser glaubt man zunächst, dass das nicht gutgehen kann und wartet förmlich auf den großen Knall. Doch in diesem Buch gelingt das Unwahrscheinliche! Das Ehepaar ist zufrieden. Es bekommt zwei Kinder, die in der ländlichen Idylle scheinbar gesund und glücklich aufwachsen. Der Bauer von nebenan wird als Opa quasi adoptiert. Und das Glück wird mit der geschenkten Streuobstwiese komplettiert. Das Alles erzählt die Autorin flüssig in einer einfachen und klaren Sprache.
Es hätte der letzten Seiten und dem Schlagwort Öko nicht bedurft um die im Buch manifestierte Sehnsucht nach einem naturverbundenen, einfachen Leben auf dem Land zu begreifen. -
anspruchsvoll und düsterRezension vom 24.05.2012Der Roman ist das dritte Buch und der Abschluss der Trilogie um den Hauptprotagonisten Aksel Vinding. Der insgesamt handlungsarme Verlauf spielt zum großen Teil im hohen Norden Schwedens, wo der junge Pianist ein Klavierkonzert von Rachmaninow einstudieren möchte. Die Stimmung dieses anspruchsvollen Romans ist traurig und düster, denn der Tod ist in vielen Variationen stets präsent. Trotz der schönen Sprache vermögen weder Aksels Liebe noch die musikalischen Themen meine Seele zu erreichen. -
Solide und sprachlich überzeugendRezension vom 24.05.2012Der Name Martin Suter steht für gute Unterhaltung, Auch die Story in diesem Band ist handwerklich solide, sprachlich überzeugend und nicht uninteressant erzählt. Insgesamt erinnert sie doch aber allzu sehr an der letzte Weynfeldt. Bleibt zu hoffen, dass Suter mit weiteren Fällen des Friederich von Allmen zu seinen alten Stärken zurückkehren kann. Bis dahin bieten die frühen Werke des Autors wie Small World vielleicht einen kleinen Trost. -
Berührende LiebesgeschichteRezension vom 15.05.2012Während Julia sich vor den Nazis versteckt, geht Christiaan Dudok, der in Deutschland ein Praktikum absolviert, in die Niederlande zurück. Dort heiratet er und übernimmt die Fabrik seines Vaters. Seine Liebe zu Julia prägt jedoch auch fortan sein Leben.
Die traurige Geschichte eines Mannes, dessen Leben privat und beruflich hätte anders verlaufen können, wird in verschiedenen Erzählebenen beleuchtet. Der Hauptheld mit seinen Zweifeln, seiner Unentschiedenheit, seiner späten Reue und Einsicht ist wunderbar und überzeugend dargestellt. Julia ist ein nachdenkliches Buch, das den Leser nicht nur den Beginn des Nationalsozialismus anhand eines persönlichen Schicksals miterleben lässt, sondern ihn zugleich mit der Frage konfrontiert, wie man sich selbst in solch einer Situation verhalten hätte. In diesem Buch wird deutlich, welche Auswirkungen eine einzige (falsche) Entscheidung für das ganze Leben haben kann. Das hat mich sehr berührt.
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Perfekte Literatur zwischendurchRezension vom 15.05.2012Bernhard Schlink ist ein ausgezeichneter Erzähler, dessen Intelligenz und Sprachgewandtheit überzeugen. Wie die Liebesfluchten ist der kleine Band schnell und angenehm zu lesen, dabei tiefsinnig und voll Melancholie. An keiner Stelle erhebt der Autor sich zum Richter. Und doch bleiben die meisten Erzählungen nicht lange im Gedächtnis haften. Ausnahmen gibt es. Bei mir ist es Johann Sebastian Bach auf Rügen, in der sehr bewegend geschildert wird, wie ein Vater sich von Filmen und der Musik rühren lässt, dem eigenen Sohn gegenüber aber sprachlos bleibt. Kurz gesagt: Schlink hat uns mit diesem Buch die perfekte Literatur für einen Sommerurlaub oder eine Zugfahrt geschenkt. Mit dem Vorleser lassen sich diese Erzählungen aber nicht vergleichen.

















