Rezensent im Portrait
aus Münster
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- lese viel und höre gerne viel gute Musik. Ich bewerte auch mal Filme, obwohl ich da eher nicht so bewandert bin. :)
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Romy Schell - Münsters sympathischste PrivatdetektivinRezension vom 25.03.2011Inhalt: Romy Schell diskret und schnell: Ein Werbespruch ist für Jungunternehmerin Romy schnell gefunden, doch ihre Anfänge als neue Münsteraner Privatdetektivin sind etwas holprig. Wohl auch, weil sie sich gerne von ihren Kindern mit Matula vergleichen lässt und ihr ehebrecherischer Mann Ingo (seines Zeichens Kommissar bei der Kripo) ständig belustigt die Augenbrauen hochzieht. Doch der Rechtsanwalt, der ihr das Erbe von Tante Almut ausgehändigt hat und gar nicht mal so schlecht aussieht, zeigt sich als ihr neuer Verbündeter in dem Mordfall um Romys beste Freundin Nadja Schramm
Schreib-/Erzählstil: Das Geniale bei Pauly und ihrer Geschichte rund um Romy Schell sind die Charaktere, die alle eine bestimmte Rolle einnehmen und sich gerne mit den Geschehnissen verflechten. Romy selber als Hauptprotagonistin ist oft eins: Ratlos, aber nie untätig. Das bereitet dem Leser viel Freude und er verfolgt gebannt, was der Privatdetektivin als nächstes einfallen wird. In dem nicht zu langen, nicht zu kurzen Krimi kommt viel Stil seitens der Autorin heraus. In ihren Sätzen versteht sie es, dem Leser die Situationen und Gefühle der Charaktere so eingehend zu schildern, dass Metaphern und Wörter fallen, die eine wunderbare Symbiose ergeben.
Meine Meinung: Herrlich! Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, ohne zuviel von der ausgefeilten und durchdachten Geschichte zu verraten.
Zuerst möchte ich gerne erwähnen, dass Pauly mit Leib und Seele Münsteranerin ist. Ihre Protagonistin lässt sie im Kreuzviertel wohnen, Nadja Schramm hat ein Modestübchen auf der Warendorfer Straße, die von Geschäften auch real gesäumt ist. Hier, auf einer Straße, die aus der Innenstadt herausführt, pulsiert das Leben für Selbständige und Jungunternehmer. Ich fühlte mich bei Pauly gut aufgehoben, da auch ich Münster liebe und mir auch keine andere Heimat(stadt) vorstellen kann.
Pauly ist es gelungen, mich für die Detektivgeschichte zu begeistern. Sie muss sich auch nicht im Hinblick auf Kehrer und seine Bücher schämen. Ganz im Gegenteil! Sie ist viel besser und hat mir das gegeben, was ich bei Kehrer vergeblich gesucht hatte. Damals habe ich ihm eine Chance mit Tod eines Professors gegeben, was mich überhaupt nicht einfangen und begeistern konnte. Zwar ist Paulys Geschichte am Ende etwas durchschaubar und konstruiert, aber die Charaktere sind so toll, so einmalig, dass sie das hiermit wieder wettmacht.
Fazit: Ich bin nun Pauly-süchtig. Was kann ich also tun? Ich denke, ich muss mich in die nächste Buchhandlung begeben und mich mit Romy-Schell-Stoff versorgen, da mir dieser Auftakt soviel Spaß gemacht hat, dass ich mehr wissen möchte. Kleiner Tipp am Rande: Auch ihre Insel-Romane sind klasse! Reif für die Insel ist ein super Schmöker, der einen den Sand zwischen den Zehen spüren lässt. Auch mehr von Frau Schell, Frau Pauly!!! -
Hier wäre ich gerne dabei gewesenRezension vom 18.03.2011Inhalt:
Als Sophia sich schlussendlich von ihrem Ehemann Georg trennt, der sie für eine Jüngere fallen gelassen hat, möchte sie nur noch raus. Da sie das Ferienhaus auf Sylt als 'Schadensersatz' erhalten hat, zieht es sie auf die schöne Insel. Doch mit ihr tummelt sich ebenfalls ein Mann aus ihrer Vergangenheit auf der Insel'
Schreib-/Erzählstil:
Pauly wirft große Schatten auf die Schriftsteller aus deutschen Landen. Durch ihre Ausdrucksweise und den gut überlegten Dialogen, die dadurch keineswegs stereotyp oder realitätsfremd wirken, schafft sie interessante Charaktere vor einer schönen Kulisse. Die Insel Sylt erklärt sie somit zu ihrer heimlichen Liebe, die sie aber nicht über die Maßen preist, sondern auf das Geschick der Leser hofft, die diese selber entdecken.
Meine Meinung:
Ich wäre jetzt gerne in der Badebuchhandlung, die Pauly so schön beschreibt. Noch schnell einen Schmöker für den Strand gekauft, die Badeutensilien geprüft und ab ins Cabrio. Am liebsten mit Paul und Sophia, deren Geschichte ich vor meinem inneren Auge plastisch und gut erzählt vor mir sah.
In das kurze, aber prägnante Buch kann man sich wunderbar fallen lassen und sogar konsequent mit raten: Wer könnte David Davidson sein? Ist es Sielmann oder vielleicht doch ein anderer? Man lässt sich durchaus etwas verwirren von Pauly, doch ebendiese 'undichte Stelle' birgt wahnsinnigen Lesespaß, der einen nicht davon abhält, gespannt auf die Auflösung zu warten. Gemein, wenn man hier unterbrochen wird und die letzten zehn Seiten auf einen warten.
Die Protagonistin Sophia hat zwar einen etwas unsicheren Zug ' in der Ehe mit Georg als auch in der Beziehung zu ihrer besten Freundin Elena, aber es gibt schließlich nicht nur willensstarke und fordernde Menschen. Nein, manche überlegen sehr gut, was sie gerade tun und wie sie es tun. Diese Unsicherheit, die aus ihrer Jugend geboren wurde, hat mich ihr sehr viel näher gebracht als gedacht.
Fazit:
Das Buch hat mich total überzeugt. Oft langweile ich mich etwas im perfekten Stil vieler deutscher Schriftsteller, die gerne perfekte Dialoge und perfekte Menschen erschaffen. Doch das will ich gar nicht! Ich will was zum anfassen, schmecken, riechen hören. Und wenn ich jetzt darüber nachdenke, höre ich Wellen brechen und Möwen kreischen. Ich rieche Salz und schmecke es zugleich. Und greife nach dem neuesten Buch von Davidson'oder besser: Pauly! -
"Musst Du mal ein bikkie lesen und latschen, ne!"Rezension vom 10.03.2010Inhalt:
Matze sitzt in Afrika seine Freundin Sina hat einen zweiwöchigen Trip von Unterkunft zu Unterkunft gebucht: Mit einer Reisegruppe, die sonderbarer nicht sein kann. Da ist das Ehepaar, das sich permanent streitet, der ruhige Brauereimeister, der die Zähne nicht auseinander bekommt, die schusselige Frau aus Zürich, eigentlich Hannover, ein reicher Immobilienfutzi mit seiner Angebeteten Freundin, die dümmere Fragen und Anmerkungen als der Rest zu stellen weiß
Erzähl-/Schreibstil:
Als eingefleischter Fan seiner Bücher, bin ich Jauds brutale Ansichten seines Protagonisten auch diesmal gewohnt schließlich macht eben dieser Schreibstil sehr sehr viel aus und man kann gar nicht genug von lustigen bis ironischen Vergleichen bekommen. Die unterschiedlichen Charaktere bringen eine Erweiterung des Jaudschen Repertoires und unterhalten den Leser abwechselnd mit den unterschiedlichsten Meinungen und Geschehnissen. Der Zusammenhalt dennoch wird gut herauskristallisiert und bildet einen runden Abschluss des Buches.
Meine Meinung:
Zugegeben, anfangs war ich etwas ratlos, was ich von dem Buch halten soll. Die Thematik neu, der Stil Jaud, wirkte zunächst etwas farblos und durchgekaut. Doch die Charaktere und auch Matzes Unterfangen, die Wohnung für sich und Sina zu bekommen (und das von Afrika aus) war derart unterhaltsam, dass ich viel gelacht habe. Bahee, der Guide, der die selbst ernannte Gurkentruppe durch Afrika, war nicht nur ein bikkie lustig, ne. Jaud hat das wohl selber bereits erlebt, wie man am Ende des Buches erkennen kann; sprich, eine Reise durch Afrika hat er sich nicht zusammen geschustert. Ein Wiedersehen gab es mit Seppelpeter, der den Greulich überhaupt nicht mag natürlich ist der Charakter aus Resturlaub und brachte direkt einen Grinser meinerseits.
Das Ende ist sehr niedlich gewählt und man hat das Gefühl, dass Jaud langsam darüber nachdenkt, was wirklich wichtig für seinen Protagonisten ist nur das Materielle oder doch lieber das Ideelle?
Fazit:
Jaud pur! Wie man von einer Band erwartet, das diese sich weiter entwickelt, schafft Jaud das mit Hummeldumm komplett und bietet eine Bandbreite seines schrifstellerischen Könnens. Für jeden Fan und denjenigen, der es werden möchte, absolut zu empfehlen!
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When a rose turn to dustRezension vom 09.03.2010Inhalt:
Younes wird als Bauernjunge geboren. Als die Ernte seines Vaters, die in ihrer Blüte stand, abbrennt, zieht die Familie, vertrieben von Gläubigern, nach Oran, um ihr Glück zu versuchen. Dort ist das süße und bittere Leben miteinander vermischt. Es gibt solche Gegenden voller Glanz und Gloria und ebensolche voller Schäbigkeit und hoffnungslosen Gestalten
Schreib-/Erzählstil:
Die teils schwermütige, dann wieder leichte Sprache, erklärt einem Liebe und Leid durch Worte, die man in Verbindung als wundervoll empfindet und sich gerne leiten lässt, in offensichtliche Feststellungen über Freundschaft und das Leben im Allgemeinen. Die Charaktere sind einfach und klar verknüpft, man wird nicht erschlagen von Irrungen, sondern findet für jede Person einen Platz und weiß diese, dank Khadras Erzählkunst, zu verstricken und zusammen zu führen.
Meine Meinung:
Oran. Die Stadt, die die Pest in den 1960er Jahren überlebt hat, blutet vor Leid, das Younes durch seine Familienverhältnisse erfährt. Als sein Vater merkt, dass er seinem Sohn eine bessere Zukunft bieten kann, gibt er ihn in die Obhut seines Bruders, Younes Onkel. Plötzlich heißt er Jonas. Er findet schwerlich seinen Weg, muss seine Herkunft verleugnen, Bitterkeit und Blässe schleicht sich in sein Herz. Hier ist der Zwiespalt und die Entrissenheit Younes aus seiner eigenen Familie gut dargestellt. Ihm wird ein neuer Stempel aufgedrückt und Khadra vermischt langsam Younes altes und neues Leben, bis Jonas gefestigt ist und seine Ziele in der privilegierten Welt feststecken kann.
Er sucht die einzig wahre Liebe, oder Schatten derer? Die Suche, die der Protagonist die über vierhundert Seiten, verfolgt, ist ein schmerzvolles Unterfangen. Man begegnet Widersachern, längst vergessenen Statisten und den Filmstars, die die politische Bewegung mit Händen anfassen. Hunderttausende sterben für Unabhängigkeit, Jonas setzt seine Suche fort. Nach ihm selber, seiner Vergangenheit, einem Zeichen. Es ist depressiv und zugleich so wahr. Wir suchen alle. Egal, ob wir Vergangenem nachtrauern und doch noch weiterstolpern möchten, oder die Zukunft ungewiss ist und wir unseren Platz finden wollen. Dabei ist es erstaunlich, welche Menschen uns formen und Rat geben, uns brechen wollen, gegen wen wir uns wehren, um anderen in die Arme zu fallen.
Fazit:
Überwältigend! Die politische Situation ist neutral ausgedrückt, Khadra spricht nicht durch seinen Protagonisten, da dieser keine Stimme hat. Aufgrund des Herzschmerzes ist dieser gefangen in sich selbst und als mir hinterher die Tränen aus den Augen brachen, so weinte ich um alles, was Jonas verraten hatte, um ein halbes Leben gelebt zu haben.
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Vom Angestellten zum EgoistenRezension vom 12.02.2010Inhalt:
Stefan Lewerenz hat das Arbeitsleben vom Studenten bis zum Chefredakteur namhafter Zeitschriften kennen gelernt. Weiterhin arbeitete er für die Lufthansa als Steward und als Praktikant bei Verlagen. In diesem Buch will er uns Arbeitnehmern zeigen, wie wir unseren Chef so subtil ausnutzen können, um Vorteile zu erhaschen
Erzähl-/Schreibstil:
Lewerenz kommt natürlich ohne Zweifel aus der Branche, berichtet eloquent, konsequent und ausdauernd in seinem Buch. Mir persönlich fehlte doch ein wenig das Pause machen zwischen den Themen; es gab insgesamt nur drei Kapitel, neue Themen waren mit großen Buchstaben und in Anführungszeichen zu erkennen.
Meine Meinung:
Zunächst: Ich BIN selbständig, dennoch keine richtige Unternehmerin. Ich bin nicht zur Bank gegangen, um einen Kredit aufzunehmen. Mein Bekannter und Nachfolger meines Vaters ist Existenzgründer er ist durch die Tretmühle gegangen. Konzept vorlegen, immer schön nicken, wie sehr man sich anstrengen wird, Genehmigungen einholen und schließlich den Kredit zu erhalten
Hier lernen wir viel über jeden: Den bösen Arbeitgeber, den feigen (ängstlichen) und naiven Arbeitnehmer und den größenwahnsinnigen Selbständigen (oder Unternehmer). Jeder kämpft auf seine Weise, mag sie noch so egoistisch sein. Lewerenz steht auf keiner Seite und auch ich muss sagen, dass ich mich mit keiner vergleiche oder identifiziere. Jeder ist schließlich individuell, aber einige Tipps kann man sich aus dem Buch mitnehmen: Das Verhandeln über das Gehalt beim ersten Gespräch, wie man subtil schleimt oder auf kranke, aber dennoch überlegte Weise, seinen Arbeitsplatz erhält. Es ist nicht alles Gold, was glänzt und das sagt auch Lewerenz. Jeder sollte für sich die Mitte finden. Die üblichen Klischees: Dicke Managergehälter und arme Angestellte bewahrheitet sich jedoch zu großen Teilen. Mit viel Wortwitz und Anstößen zum Nachdenken schreibt Lewerenz aber auch hier seinen Beitrag.
Fazit:
Ich habe das Buch innerhalb eines Tages durchgelesen, aber etwas überfordert mit dem Inhalt. Mir persönlich fehlte die Struktur, aber ich denke, jeder, der für sich die Auslese an passenden Infos heraufiltert, findet eine Strategie für seinen Job.
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Hawkins Hollow - The EndRezension vom 12.02.2010Inhalt:
07.07.1977 drei Männer verbindet dieses Datum unwiderruflich. Fox, Caleb und Gage wohnen in Hawkins Hollow und befreien am 07.07.1987 einen Dämon bei einer Blutsbrüderschaft. Drei Frauen stehen ihnen im letzten Teil der Nacht-Trilogie weiterhin zur Seite
Schreib-/Erzählstil:
Roberts bekannter, leichter und schöner Schreibstil findet sich in jedem ihrer Bücher unverkennbar wieder. Leicht ironisch oder sarkastisch, dann wieder liebevoll und voller Leidenschaft lässt sie ihre Charaktere auftreten.
Meine Meinung:
Roberts begeisterte mich zunächst mit dem dritten Teil: Gage und Cybil eine explosive Mischung zweier völlig gleicher Charaktere und Hintergrundgeschichten. Beide rastlos, konsequent, intelligent und voller zerstörter Träume, finden zu einander und liefern sich einen Kampf um die Frage, ob sich eine Zukunft lohnt.
Roberts zögert alles ziemlich hinaus in der Mitte des Buches wird es dann rasanter und das Ende naht viel zu schnell und abrupt. Hier wäre mir einige Ausarbeitung lieber gewesen anstatt ewig die Beziehung der beiden, um die sich der letzte Teil drehen sollte. Ich war so auf den dritten Teil fixiert, weil doch die explosive Mischung meist am Ende ins Licht von Roberts Geschichten tritt. Doch hier ist mir am Ende alles zu überstürzt gewesen.
Fazit:
Leider kein ganz so gelungenes Ende um die Geschichte in Hawkins Hollow dennoch ein schneller Run durchs Geschehen. Ohne viel vom Buch preis geben zu dürfen, eine solide Leistung. Dennoch sollte man Roberts wohl langsam davon überzeugen, dass Fantasy den Könnern eher liegt.
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"Dancing with myself."Rezension vom 09.02.2010Inhalt:
Kai Samweber hat nach einem Arbeitsunfall ein finanzielles Tief: Er bezieht Hartz IV, lebt in einem Drecksloch von Wohnung, nimmt Drogen und trinkt und hat nur einen Freund. Shane, der Deutschtürke, der ihm den Stoff verschafft und auch einen Auftrag, als Kai die Schulden an dessen Brüder nicht zurückzahlen kann
Schreib-/Erzählstil:
Pilz riss mich von der ersten Seite an mit. Die Verzweiflung und völlige Aussichtslosigkeit Kais hat er mit tiefgründigen und verständlichen Worten umgesetzt. Ich habe Kai vor mir sehen können, die Nebencharaktere rückten weites gehend in den Hintergrund, ohne ganz zu verschwinden. Pilz baut seine Erzählung logisch und konsequent aus, ohne ein Märchen vom Abhängigen zum Millionär zu konstruieren. Die Wut Kais stellt er ohne Kompromisse dar.
Meine Meinung:
Ich habe das Buch verschlungen, mich in Kais Lage versetzt, die Handlung aufgesogen und hatte Bilder vor Augen. Die Situation, die Worte, die Pilz benutzt hat und die Idee mit den Briefen, die Kai an seinen Bruder Florian schreibt, wirken authentisch.
Kai rettet sich aufgrund seiner Arbeitslosig- und Rastlosigkeit in den Drogensumpf und benötigt Schlüsselereignisse, um sich aus seinem Leben zu retten. Pilz differenziert klar zwischen den Momenten und dem Inneren Kais wie es ihm wirklich geht, erfährt man durch die Briefe an Florian, seinen Bruder. Die Situation Deutschlands und die allgemeine Unruhe erfährt man ebenfalls durch Man Down Kai rettet sich in Drogen und Alkohol aufgrund seiner Arbeitslosigkeit, andere Menschen, die in diesem Moment wirklich leben, retten sich vielleicht ebenfalls in diese Ersatzmittel, vielleicht aber auch in andere Probleme oder auch glückliche Momente, die ihnen durch die Finger rinnen. Die Unruhe, die unterschwellig im Land herrscht wird klar heraus gestellt und mich erschreckte, wie oft ich bejahen musste, als Pilz einwarf, dass sich die Großen das Geld in die Tasche stecken und wir Kleinen auf der Strecke bleiben.
Fazit:
Für mich eins der besten Neuerscheinungen im Jahr 2010 klar, offen, strukturiert, mit viel Wortgewalt und brutal ehrlich.
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"I'm calling a guy like you - Should wear a warning"Rezension vom 03.02.2010Inhalt:
Toxic, ein Name, der sich aus seinem Vor- und Nachnamen ergeben hat, ist Auftragskiller in New York. Als sich ein Auftrag als FBI-Mann herausstellt, organisiert die Mafia seine Flucht. Doch schon am Flughafen wird er verfolgt, flieht auf die Toilette, tötet kurzer Hand einen Pfarrer und findet sich mit dessen Ticket in Irland wieder...
Schreib-/Erzählstil:
Kunterbunt und doch strukturiert, Fäkalsprache und doch manchmal gefühlvoll so präsentiert uns Helgason seinen Protagonisten Toxic. Er baut eine Spannung auf, ohne langatmig zu bleiben und rast mit uns durch die Geschichte des Killers wie ein verrückter Roadmovie.
Meine Meinung:
Lustig, einfühlsam und auf den Punkt genau präsentiert sich Helgason mir. Ich hatte noch kein Buch von ihm gelesen, geschweige denn von ihm gehört jetzt bin ich offizieller Fan und werde mir auch die anderen Bücher nach und nach zulegen.
Er hat einen Wortwitz und Adaptionen zu Ereignissen und kommt immer wieder auf neue Ideen. Toxic erscheint einem erst ziemlich brutal und gnadenlos, doch wenn man die Hintergründe des Kroaten erfährt, erweist man mehr Empathie, abzuwarten, was noch erzählt wird. Ich war ziemlich beeindruckt, wie Helgason aus den 270 Seiten des Buches soviel Story und Nebenschauplätze aus der Vergangenheit Toxics heraus geholt hat. Es ist nicht langatmig, nicht geschwafelt, sondern detailgetreu und mit Beachtung der Historik erzählt.
Mir gefiel der Wechsel aus Ernst und Komik, von Liebe und Hass, von Ländervereinigung und Gegensätzen.
Fazit:
Helgason ein Meister auf seinem Gebiet, versteht er es, eine actionreiche Situationskomik mit Liebe zum Detail widerzugeben. Ein Tipp für zwischendurch, der noch lange im Kopf gefangen und haften bleibt.














