BuchhändlerInnen im Portrait

aus Jena, Goethe-Galerie

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Meine Rezensionen

  • Cabo de Gata
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    Lakonische Beschreibung von verbummelten Tagen
    Rezension vom 17.06.2013
    In den 90er Jahren verlässt ein Mann Deutschland, flieht vor einer gescheiterten Beziehung und hofft, an einem unbestimmten Ort ein Buch schreiben zu können. Das andalusische Cabo de Gata wird mehr zufällig Ziel seiner Reise.
    Eugen Ruge schildert lakonisch den kleinen Ort, in dem nicht viel passiert, und die Befindlichkeit des Mannes. An Ruges anspruchsvoller (zeitweilig gekünstelter) Sprache kann man sich durchaus erfreuen, denn viele der kleinsten Geschehnisse werden in den Schilderungen lebendig. Die Tage verlaufen ähnlich, der Fortgang stagniert, auch weil in dieser „Auszeit“ keine Wendungen und keine neue Perspektive des Ich-Erzählers zu erkennen ist. Warum aber soll ich als Leser an diesen „verbummelten“ 123 Tagen teilhaben?
    So hat man in der Hoffnung darauf, dass etwas passiert, eine nicht unangenehme Zeit mit dem kleinen Buch verbracht, schlichtweg aber auch nichts verpasst, wenn man Ruge nach Cabo de Gata nicht folgt. Eine gewisse Erwartungshaltung an den Autor des wunderbaren Romans „In Zeiten des abnehmenden Licht“’ werden leider nicht erfüllt.
  • Das Glück mit dir
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    Nachdenklich und berührend
    Rezension vom 17.06.2013
    Eine Frau sitzt am Bett ihres toten Mannes. Eine ganze Nacht lang nimmt sie Abschied und erinnert sich: an gemeinsame Reisen, körperliche Zweisamkeit, die erste Begegnung und viele kleine Begebenheiten, auch an Verletzungen. Die Gedankengänge werden dabei immer wieder von der Gegenwart dieser Nacht unterbrochen und von kleinen mathematisch/philosophischen Betrachtungen, die ihr Mann Philipp in den Alltag der Familie einfließen ließ.
    „Das Glück mit Dir“ ist ein berührender und nachdenklicher Roman ohne Spannungsbogen und ohne Überraschungen. Wer aber einen feinen, geradlinigen und unsentimentalen Stil schätzt, für den wird die bruchstückhafte Beschreibung dieser langjährigen Ehe ein Gewinn sein.
  • Quasikristalle
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    Facettenreiches Bild einer Frau- berührend, lebensnah und klug
    Rezension vom 15.05.2013
    Wie sich die Protagonistin Xane zu einer gebildeten, unabhängigen und selbstbewussten Persönlichkeit entwickelt, beleuchten 14 Kapitel dieses Buches aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln und verschiedenen Zeiten. Überzeugend und lebensklug arrangiert die Autorin vielschichtige Beobachtungen und Erzählungen aus Xanes Umfeld, die insgesamt ein facettenreiches Bild der Hauptperson ergeben. Dabei haben mich selbst die Erzählung der Ärztin, die Xane wegen eines ausbleibenden Babys aufsucht, und die geistreichen Betrachtungen des betagten Vaters am meisten beeindruckt. Xane selbst kommt nur in einem einzigen Kapitel zu Wort. Die wunderbare Sprache fließt leicht und macht das Lesen zu einem unterhaltsamen und zugleich anregenden Vergnügen.
  • Wahr
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    Berührend
    Rezension vom 10.05.2013
    Elsa ist seit mehr als 40 Jahren mit dem Künstler Martti verheiratet. Am Ende des Lebens vertraut sie ihrer Enkelin Anna schmerzvolle Erinnerungen an. Anna will mehr über die Liebe ihres Großvaters zu der jungen Frau Eeva erfahren…
    Die Autorin versteht es, in klaren Sätzen ihre Akteure zu zeichnen und dabei ihr Lebensgefühl eher anzudeuten als detailliert zu beschreiben. Von Beginn begleitet eine große Traurigkeit den Roman. Die Ähnlichkeit der Frauennamen und der Wechsel der Perspektiven und Zeitebenen machen das Lesen nicht einfach. Dabei sind es besonders die Rückblenden in die 60er Jahre, in das Leben von Eeva, die dem Roman Glaubwürdigkeit und Tiefe verleihen. Die Geliebte wird damit zur eigentlichen Hauptfigur des Buches. Das Leben der Frauen in der finnischen Familie muss sich der Leser zwischen den Zeilen selbst erschließen. Andererseits schafft die Autorin dadurch einen großen Raum für eigene Bilder. (Beispiel dafür könnten die schönen sogenannten Straßenbahngeschichten sein, die sich Martti und Anna über Mitfahrer im Verlauf der Handlung ausdenken.)
    „Wahr“ ist ein emotional berührendes und lesenswertes Buch einer noch jungen Autorin aus Finnland.
  • Vaters Rückkehr
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    Problematische Vater-Sohn-Beziehung
    Rezension vom 10.05.2013
    Was passiert, wenn der tot geglaubte Vater plötzlich wieder auftaucht und in der Bilderbuchfamilie seines Sohnes eine Vormachtstellung einnimmt?
    Wie in seinem ersten Roman „Reise zu Lena“ ist auch das vorliegende Buch eine Abrechnung des Autors mit dem Patriarchat, und man darf vermuten, dass durchaus Parallelen zur eigenen Biografie von Alfred Neven DuMont bestehen.
    Insgesamt aber konnte mich das kleine Buch nicht ganz überzeugen. Gekünstelte Dialoge erschweren den Zugang des Lesers zu einer problematischen Vater-Sohn-Beziehung.
  • Das Lächeln meiner Mutter
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    Bewegende Romanbiografie
    Rezension vom 20.04.2013
    Zwar bezeichnet der Verlag das Buch de Vigans als Roman. Vielmehr ist es aber eine behutsame Biografie ihrer Mutter Lucile und der gesamten Großfamilie aus dem Paris der 50er und 60er Jahre. So stehen zu Beginn auch das bürgerliche Leben mit großen Feiern und langen Sommerurlauben ebenso im Zentrum des Buches wie zahlreiche Tragödien und Geheimnisse. Im zweiten Teil rücken dann als Ich-Erzählung das Leben und der Freitod der Mutter selbst in das Zentrum der Handlung:
    Lucile war schon als Kind schön und geheimnisvoll. Dass sie dabei dem Leben nur schwer gewachsen war, wird spätestens in der Angst der Töchter offensichtlich, die schon früh die Zerbrechlichkeit und die Sehnsucht der Mutter nach dem Tod spüren.
    Mit dem Buch nähert sich de Vigan tastend ihrer Mutter an, gleichsam als wollte und musste sie sich das Geschehen „von der Seele“ schreiben. Fließend zu lesen ist das Werk dabei allemal, dabei interessant und tiefgründig. Die vielen Tragödien in der Familie berühren sehr.
    Je tiefer man in das Buch eintaucht, desto mehr nimmt man Anteil an dem Leben einer ungewöhnlichen Frau, dem sich die Autorin nähert und das doch viele Geheimnisse bewahrt.
  • Eisenkinder
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    Anstoß für eine Diskussion
    Rezension vom 20.04.2013
    Man muss die sogenannte Wende in der DDR 1989 nicht unbedingt selbst erlebt haben, um nachvollziehen zu können, wie ohnmächtig, halt- und orientierungslos besonders Kinder und Jugendliche nach dem Ende der DDR reagierten. Eltern, die mit den Veränderungen kaum mehr Schritt halten konnten, eine Schulpolitik die, sich von einem Tag zum anderen grundlegend änderte, Freunde, die wegzogen…. Sabine Rennefanz macht diese „stille Wut der Wendegeneration“ zum Thema ihres Buches, sie begibt sich auf Spurensuche nach Eisenhüttenstadt und Jena und zeigt, welche Wege und Irrwege sie selbst gegangen ist.
    Ich habe das Buch betroffen, interessiert und teilnahmsvoll gelesen und versucht, mich in die Denk- und Verhaltensweisen der damals Jugendlichen hineinzuversetzen. Das bisher eher unterbelichtete Thema und der Umgang von Sabine Rennefanz damit, haben mich bewegt. Auch wenn sich ihr Leben nur partiell mit den persönlichen Erfahrungen vieler Ostdeutscher deckt, kann das Buch Auslöser einer breiten Diskussion sein.
  • Meine 500 besten Freunde
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    Lebendige Kurzgeschichten aus dem Berliner Kulturbetrieb
    Rezension vom 20.04.2013
    Aus dem Herzen Berlins erzählt die Autorin Geschichten, die zum großen Teil den Kulturbetrieb der Stadt spiegeln. Gewöhnliche Leute im Medienumfeld werden in der Öffentlichkeit zu Blendern und Wichtigtuern, sie spielen im wahrsten Sinn Rollen, geben etwas vor, was sie nicht sind. Adorjan versteht es, durch genaue Beobachtung und feine Skizzierung der Hauptakteure einige von ihnen hinter ihrer Fassade so lebendig und interessant erscheinen zu lassen, dass man sie selbst gern einmal treffen würde. Die Autorin nähert sich ihnen mit Sympathie, zumindest aber mit Respekt. Leider aber sind die Storys zu kurz, um als Leser mit den Handelnden vertraut zu werden, das Ende bleibt meistens offen.
    So hat man dann irgendwann auch genug von Angebern und Karrieristen. Die Kurzgeschichte um die Psychotherapeutin Frau Weber ragt indes wohltuend aus der Sammlung heraus.
    Gut geschrieben und versiert erzählt sind alle Geschichten, die Protagonisten sind fein gezeichnet. Aber am Ende ist es doch ein bisschen so wie in einem Boulevardmagazin über Schöne und Reiche, in dem man unangestrengt liest und am Schluss oft nicht mehr weiß, worum es am Anfang genau ging.
  • Der Hals der Giraffe
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    Ungewöhnlich, überzeugend und schnörkellos
    Rezension vom 20.04.2013
    Der kleine Band ist sowohl sprachlich als auch gestalterisch überzeugend. Der besondere Reiz ergibt sich aber aus der gelungenen Verknüpfung einer naturwissenschaftlichen Lehre (Darwin) mit dem persönlichen Umfeld einer Biologielehrerin in Brandenburg. Scharf, klar und desillusioniert betrachtet sie Menschen und aussterbende Ortschaften ihrer Heimat. Sehr lesenswert!
  • Ein ganzes halbes Jahr
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    Emotional und ohne Happy End
    Rezension vom 06.04.2013
    Das Buch beginnt wie ein Märchen: Die junge Frau Lou einfacher Herkunft trifft den reichen, behinderten und daher pflegebedürftigen Mann Will. Aber Will hat den Lebensmut verloren und will nachdrücklich sein Leben selbstbestimmt beenden. Mit ihrer Gradlinigkeit, mit Humor und unkonventionelle Ideen versucht Lou, ihn davon abzubringen. Dabei kommen sich beide näher.
    Der hoch emotionale Roman zeichnet sehr ergreifend eine persönliche (Liebes)Geschichte um das Thema Sterbehilfe und das Leben mit Schwerstbehinderung. Obwohl nicht frei von Klischees, hat mich die Geschichte sehr berührt, auch weil es bewegend ist zu lesen, welche Energie und welchen Einfallsreichtum die junge Frau aufwendet, um Will von einem lebenswerten Leben trotz seiner Behinderung zu überzeugen. Durch die Schilderungen der etwas einfältigen Lou, die aber im Laufe der Romanhandlung eine durchaus nachvollziehbare Persönlichkeitsentwicklung erlebt, gerät man als Leser in ein wahres Wechselbad der Gefühle, die zwischen Traurigkeit, Heiterkeit und Rührung hin und her schwanken. Dabei ist die Liebesgeschichte der beiden Protagonisten zurückhaltend gestaltet und wird niemals peinlich.
    Dass der Roman ohne Happy End auskommt unterscheidet ihn von einem modernen Märchen. Das ausdrucksstarke und gefühlvolle Buch von Joyo Moyes erfüllt nicht hohe literarische Ansprüche, es empfiehlt sich aber einem breiten Publikum.