Ein Rest von Schuld. Goldmanns Taschenbücher, Band 46940

Roman

von Ian Rankin

Buch

Taschenbuch (540 Seiten)

Sprache: Deutsch

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Weitere Artikelinformationen

»Rebus ein letztes Mal in Hochform!" Münchner Merkur


Als in Edinburgh der russische Dichter und Dissident Alexander Todorow ermordet wird, bleibt Inspector Rebus nicht viel Zeit, um die Wahrheit zu finden. In wenigen Tagen endet seine Dienstzeit, und er weiß, dass seine Vorgesetzten die Sache am liebsten schnell zu den Akten legen würden. Ihrer Ansicht fiel Todorow einem Raubüberfall mit tödlichem Ausgang zum Opfer, doch Rebus argwöhnt, dass russische Geschäftsleute etwas mit der Sache zu tun haben. Dann kommt ein möglicher Zeuge bei einem Brand ums Leben, und Rebus sieht seinen Verdacht bestätigt ...


Die Suche nach dem Mörder eines russischen Lyrikers wird zur letzten Bewährungsprobe für Detective John Rebus.


Produktdetails

Verkaufsrang: 30.533
ISBN-10: 3-442-46940-6
EAN: 9783442469406
Originaltitel: Exit Music
Erschienen: 08.02.2010
Verlag: Goldmann Taschenbuch
Einband: Taschenbuch
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 540
Gewicht: 454 g
Übersetzer: Ditte Bandini
Reihe: Goldmanns Taschenbücher
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Ian Rankin

Ian Rankin gilt als "der führende Krimiautor Großbritanniens" (Times Literary Supplement). Er wurde 1960 im schottischen Fife geboren, lebte in Edinburgh und London, bevor er mit seiner Familie für sechs Jahre nach Südfrankreich zog. Sein erster Roman erschien 1986 und wurde sogleich von der Kritik gefeiert. Der internationale Durchbruch gelang Ian Rankin schließlich mit seinem melancholischen Serienhelden John Rebus, der mittlerweile aus den britischen Bestsellerlisten nicht mehr wegzudenken ist. Rankin wurde bereits mit dem begehrten Golden Dagger Award der Crime Writers Association of America ausgezeichnet, für den Edgar Allan Poe Award nominiert, zum Hawthornden Fellow gewählt und mit dem Chandler-Fulbright Award geehrt.

Ditte Bandini

Ditte Bandini, geb. 1956, studierte Völkerkunde, Religionsgeschichte und Indologie. Sie arbeitet an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften sowie als freie Schriftstellerin und Übersetzerin.

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Mittwoch, 15. November 2006


Das Mädchen schrie einmal, nur ein Mal, aber das war genug. Als das Paar mittleren Alters das untere Ende der Raeburn Wynd erreichte, kniete sie schon auf dem Boden, die Hände vors Gesicht geschlagen, die Schultern von Schluchzern bebend. Der Mann musterte kurz die Leiche, versuchte dann, seiner Frau eine Hand vor die Augen zu halten, aber sie hatte sich schon abgewendet. Er holte sein Handy heraus und wählte den Notruf. Es dauerte zehn Minuten, bis der Polizeiwagen kam; das Mädchen versuchte währenddessen zu verschwinden, aber der Mann erklärte ihr ruhig, sie müsse warten, und tätschelte ihr mit der Hand beruhigend die Schulter. Seine Frau saß auf dem Bordstein, obwohl es eine kühle Nacht war. November in Edinburgh, noch nicht kalt genug für Frost, aber auf dem besten Weg dahin. Die King's Stables Road war nicht gerade eine Hauptverkehrsstraße. Ein »Keine Einfahrt«-Schild verhinderte, dass die Straße als Abkürzung vom Grassmarket zur Lothian Road genommen wurde. Nachts konnte es da ziemlich einsam sein - lediglich ein Parkhaus auf der einen, Castle Rock und ein Friedhof auf der anderen Seite. Die Straßenlaternen schienen grundsätzlich auf Sparflamme zu brennen, und die Fußgänger passten auf, wo sie hintraten. Das Paar mittleren Alters hatte einen Carol Service in der St. Cuthbert's Church besucht, eine Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten der städtischen Kinderkrankenhäuser. Die Frau hatte einen Stechpalmenkranz gekauft, der jetzt, links neben der Leiche, auf dem Boden lag. Ihr Mann konnte sich den Gedanken nicht verkneifen:
Eine Minute früher oder später, und wir hätten vielleicht nichts gehört, säßen jetzt im Auto auf dem Weg nach Haus, den Kranz im Fond und Classic FM im Radio.
»Ich will nach Haus«, jammerte das Mädchen zwischen einzelnen Schluchzern. Sie stand da, die Knie aufgeschürft. Ihr Rock, fand der Mann, war zu kurz und ihre Jeansjacke nicht warm genug. Sie kam ihm irgendwie bekannt vor. Er hatte kurz mit dem Gedanken gespielt, ihr seinen Mantel zu leihen. Stattdessen erinnerte er sie noch einmal daran, dass sie auf die Polizei warten müsste. Plötzlich färbten sich ihre Gesichter blau. Der Streifenwagen näherte sich mit kreiselnder Kennleuchte.
»Da kommt sie schon«, sagte der Mann und legte ihr den Arm wie zum Trost um die Schultern, um ihn sofort wieder wegzunehmen, als er sah, dass seine Frau ihn beobachtete.
Selbst als der Streifenwagen angehalten hatte, blieb das Blaulicht an, und auch der Motor brummte weiter. Zwei uniformierte Beamte stiegen aus, ohne sich erst die Mützen aufzusetzen. Einer von ihnen hielt eine große schwarze Stablampe in der Hand. Die Raeburn Wynd war steil und führte zu einer Reihe von renovierten Kutscherhäuschen mit Garagen im Erdgeschoss, die früher einmal die königlichen Equipagen und Pferde beherbergt hatten. Bei Frost war das Pflaster tückisch.
»Vielleicht ist er ausgerutscht und hat sich den Kopf angeschlagen«, meinte der Mann. »Oder er wollte im Freien übernachten, oder er hatte ein paar zu viel getrunken ...«
»Danke, Sir«, sagte einer der Beamten und meinte das Gegenteil. Sein Kollege hatte die Stablampe eingeschaltet, und jetzt sah der Mann Blut auf dem Boden, Blut an den Händen und Kleidern der zusammengesackten Gestalt. Gesicht und Haar waren damit ganz überkrustet.
»Oder jemand hat ihn zu Hackfleisch geprügelt«, kommentierte der erste Officer. »Es sei denn, er ist mehrfach mit dem Gesicht gegen eine Käsereibe gefallen.«
Sein jüngerer Kollege zuckte zusammen. Er hatte sich hingehockt, um die Leiche besser in Augenschein nehmen zu können, stand jetzt aber wieder auf. »Wem gehört der Kranz?«, fragte er.
»Meiner Frau«, erklärte der Mann und fragte sich anschließend, warum er nicht einfach »mir« gesagt hatte.


»Jack Palance«, sagte Detective Inspector John Rebus. »Ich sag Ihnen doch, ich kenn ihn nicht.« »Großer Filmstar.« »Dann nennen Sie mir einen Film.« »Im Scotsman steht sein Nachruf.«
»Dann müssten Sie ja jetzt ausreichend informiert sein, um mir sagen zu können, in welchem Film ich ihn gesehen habe.« Detective Sergeant Siobhan Clarke stieg aus dem Wagen und knallte die Tür zu.
»Er war der Schurke in vielen Western.« Rebus ließ nicht locker.
Clarke zeigte einem der Uniformierten ihren Dienstausweis und nahm die Stablampe, die ihr der Jüngere von beiden angeboten hatte. Die Spurensicherung war unterwegs. Vom Blaulicht des Streifenwagens angezogen, hatten sich schon die ersten Neugierigen eingefunden. Rebus und Clarke hatten auf der Wache Gayfield Square Überstunden gemacht und an einer Theorie - allerdings ohne einen Hauptverdächtigen - über einen noch nicht aufgeklärten Fall gebastelt. Beiden war die Unterbrechung, die der Einsatz für sie bedeutete, nur recht gewesen.
Sie waren in Rebus' asthmatischem Saab 900 gekommen, aus dessen Kofferraum er jetzt gerade Plastiküberschuhe und Latexhandschuhe holte. Erst nach einem halben Dutzend geräuschvoller Versuche ließ sich der Deckel wieder schließen.
»Den muss ich in Zahlung geben«, murmelte er.
»Wer würde den schon nehmen?«, fragte Clarke, während sie sich die Handschuhe überstreifte. Dann, als er nicht antwortete: »Waren das eben Wanderschuhe, die ich gesehen habe?«
»So alt wie das Auto«, sagte Rebus und ging auf die Leiche zu. Schweigend musterten die zwei Detectives die am Boden liegende Gestalt und deren nähere Umgebung.
»Jemand hat's ihm richtig besorgt«, meinte Rebus schließlich. Er wandte sich an den jüngeren Constable. »Wie heißen Sie, mein Sohn?«
»Goodyear, Sir ... Todd Goodyear.«
»Todd?«
»Der Mädchenname meiner Mum, Sir«, erklärte Goodyear.
»Schon mal was von Jack Palance gehört, Todd?«
»Hat er nicht in Mein großer Freund Shane mitgespielt?«
»Sie sind zu schade für die Uniform.«
Goodyears Kollege schmunzelte. »Wenn Sie nicht gewaltig aufpassen, nimmt jung Todd gleich keine Verdächtigen, sondern Sie ins Verhör.«
»Wieso?«, fragte Clarke.
Der Constable - er war mindestens fünfzehn Jahre älter als sein Partner und etwa dreimal so breit - deutete mit einem Nicken auf Goodyear. »Ich bin Todd nicht gut genug«, erklärte er. »Der hat sich das CID in den Kopf gesetzt.«
Goodyear ging darauf nicht ein. Er hatte sein Notizbuch gezückt. »Sollen wir mit der Befragung der Zeugen anfangen?«, fragte er. Ein Paar mittleren Alters saß auf dem Bordstein und hielt sich bei den Händen.

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