BuchhändlerInnen im Portrait

aus Hamburg
- Gesamte Rezensionen
- 927 (ansehen)
- Über mich
- liebe es, mich von Büchern aus der Gegenwart entführen zu lassen. Dabei ist es mir egal, ob es historische, literarische oder unterhaltsame Romane sind.
- Alter
- 50 Jahre
- Abteilung
- Belletristik (Romane, Krimis, Historische)
- Funktion
- Abteilungsleiterin
- Lieblingsautoren
- Marian Keyes, Rebecca Gablé, Judith Lennox, Edward Rutherfurd, Cathy Kelly, Sheila O'Flanagan
- An meinem Beruf gefällt mir
- Ich liebe es neue Autoren zu entdecken und diese Entdeckungen an meine Kunden weiterzugeben. Ebenso liebe ich den Austausch mit meinen Kunden.
- Im Beruf seit
- 1982
- Das beste Buch aller Zeiten
- Edward Rutherfurd, Sarum
Meine Favoriten
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Gibt es leider nur noch in englischer Sprache. Ein Toller historischer Roman über die Entstehung der... mehr
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Vielen Dank Frau Friedrich für diesen unglaublich, großartigen Roman, der den Widerständlern noch einmal... mehr
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Hut ab vor der Autorin. Sie war selber Alkoholikerin und hat es geschafft, dieses Thema in einen unterhaltsam... mehr
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Für mich der Frauenroman überhaupt. Die Artus-Geschichte aus Frauensicht mit tollen starken Frauencharakteren. mehr
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Ein großartiger, literarischer Roman, der sich mit den Nachwirkungen des spanischen Bürgerkrieges in... mehr
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Ein herrlich ruhiger Frauenroman, der ein ganzes Frauenleben von 1914 bis in die 90er Jahre umfasst.... mehr
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Für alle, die wissen möchten, wie viel Kämpfe die Schwulen und Lesebn in den fünfziger und sechziger... mehr
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Wenn Sie Ihrem Leben eine neue Richtung geben oder sich einfach wohler in Ihrer Haut fühlen wollen,... mehr
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Ein Kult-Frauen-Buch! Hier können die jungen Frauen von heute nachlesen, wie viele Kämpfe die Frauen... mehr
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Es ist ein toller Roman, der wieder einmal aufzeigt, wie anders die Südstaaten ticken als die großen... mehr
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Einfach grandiosRezension vom 19.03.2013Delphine de Vigan hat mir bereits mit ihrem ersten Buch No & ich sehr imponiert. Umso neugieriger war ich auf ihren neuen Roman. Jetzt habe ich ihn gelesen und bin absolut beeindruckt. Die Autorin hat sich ein ganz anderes Sujet ausgesucht und wieder ein hervorragendes, feines, kleines Buch abgeliefert.
Dieses Mal erzählt sie die Geschichte von zwei Menschen, die beide Anfang vierzig und beruflich erfolgreich sind, denen aber ihr Leben plötzlich zu entgleiten scheint. Da ist zum einen Mathilde. Mathilde ist alleinerziehende Mutter dreier Söhne und bisher beruflich sehr erfolgreich. Doch das ändert sich, als sie einmal wagt, ihrem Vorgesetzen zu widersprechen. Ganz langsam, so dass es ihr am Anfang gar nicht auffällt, beginnt er sie zu mobben. Sie versucht ihr Leben weiterhin zu leben, doch langsam aber sicher zerbricht sie an dieser Situation. Was kann sie noch machen? Gibt es einen positiven Ausweg für sie? Die zweite Hauptperson ist Thibault. Thibault ist eine Art Bereitschaftsarzt. Er arbeitet für eine Agentur, die ihm seine Patienten vermittelt. Als er mit seiner aktuellen Freundin, einer Frau die seine Liebe anscheinend nicht erwidern kann, bricht, fängt er an sein Leben Revue passieren zu lassen. Die ganze Handlung spielt nur an einem Tag!
Delphine de Vigan beschreibt diese Lebenssituationen der beiden so einfühlsam in einer wunderbar poetischen Sprache, dass einen die Grausamkeit dieser Situation noch viel stärker trifft. Eigentlich gibt es kaum eine Handlung, aber trotzdem kann man sich diesem Buch nicht entziehen. Ein hervorragender Roman über ein schwieriges Thema, dass leider in unserer heutigen Zeit immer aktueller wird!
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Ein unglaubliches Buch!Rezension vom 19.03.2013Dieses Buch möchte ich Ihnen dieses Mal besonders ans Herz legen. Es ist ein unglaubliches und ein unglaubliche tolles Buch! Die Französin Delphine de Vigan erzählt die Geschichte von Lou und No. Lou ist ein dreizehnjähriges Mädchen aus einer wohlsituierten Familie. Sie ist hochbegabt und hat deshalb bereits zwei Klassen übersprungen. Dementsprechend fremd fühlt sie sich in ihrer aktuellen Klasse. Zu Hause ist das Leben im Moment auch sehr schwer, denn ihre kleine Schwester ist vor einiger Zeit am plötzlichen Kindstod gestorben, und ihre Mutter leidet noch an Depressionen. In der Schule soll Lou ein Referat halten und entscheidet sich für das Thema, warum Menschen, speziell junge Frauen, obdachlos werden. Und hier kommt No ins Spiel. Lou lernt die achtzehnjährige No am Bahnhof kennen und gewinnt langsam ihr Vertrauen. Nach und nach freunden sich die beiden Mädchen an und Lou entdeckt, dass sie mehr für No tun möchte. Also wendet sie sich an ihre Eltern. Und damit verändert sich das Leben aller vier Beteiligten.
Delphine de Vigan hat ein wunderbares Buch über ein junges Mädchen geschrieben, das noch nicht so von unserer Welt abgestumpft ist. Lou hat noch Ideale und versucht diese ganz naiv umzusetzen. Es ist ein ganz großartiges kleines Buch entstanden, bei dem die Autorin speziell die beiden Mädchen ganz einfühlsam beschreibt. Dieses Buch macht Mut, auch wenn nicht immer alles glatt geht und uns am Ende alle die Realität wieder einholt. Vielleicht wäre unsere Welt ein klein wenig besser, wenn wir alle ein wenig mehr Idealismus zeigen würden. Ein tolles Buch für jung und alt! Delphine de Vigan ist eine wunderbare Autorin. Auch ihre beiden neueren Bücher sind wieder sehr lesenswert. Und sie verwendet jedes Mal ein ganz anderes Thema!
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Max und Hannah eine Liebesgeschichte?Rezension vom 16.03.2013Dies vorab: Es ist ein ungewöhnliches Buch und ganz anders als ich es mir an Hand des Klappentextes und des Covers vorgestellt hatte. Denn es ist beim besten Willen keine klassische Liebesgeschichte!
Ronaldo Wrobel ist ein brasilianischer Jude, der als Schriftsteller, Journalist und Rechtsanwalt in Rio de Janeiro lebt. Sein erster Roman wurde vom brasilianischen Kulturministerium, die Übersetzung vom Deutschen Übersetzerfond gefördert. Er erzählt darin einen Teil der jüdischen Geschichte, nämlich den der jüdischen Auswanderen aus dem Osten Europas nach Brasilien.
Seine Hauptperson ist Max. Max ist ein jüdischer Schuster, Mitte Dreißig und lebt in Rio de Janeiro. Er lebt ganz unauffällig und allein. Manchmal geht er zu Prostituierten, aber nicht zu den jüdischen, den sogenannten Polacas. Das passt nämlich nicht in sein Weltbild. Eines Tages wird er auf die Polizeistation gebeten, wo man ihn zwangsverpflichtet, dass er Briefe aus dem jiddischen ins portugiesische übersetzt. Und bei dieser Tätigkeit entdeckt er Hannah, die einen regelmäßigen Briefverkehr mit ihrer Schwester Guita in Buenos Aires unterhält. Hannahs Briefe sind so wunderbar, teilweise lebensklug, teilweise poetisch, so dass er sich nur auf Grund dieser Briefe in sie verliebt. Er hat keine Adresse von ihr, und doch versucht er sie ausfindig zu machen. Und eines Tages steht sie in seinem Laden und erkennt sie an Hand ihrer Handschrift. Doch wer ist Hannah wirklich? Erst nach und nach entdeckt er die Wahrheit über Hannah. Und immer, wenn er denkt, er weiß jetzt wirklich alles über sie, erfährt er wieder etwas Neues. Und so jagt er eigentlich ein Phantom.
Das Buch hat mich mehrfach überrascht. Der Autor versteht es fesselnd zu erzählen. Aber er ist auch ein typischer lateinamerikanischer Autor und erzählt seine Geschichte nicht stringent durch, sondern schweift immer mal wieder ab. Und so kommt man der eigentlichen Geschichte nur sehr langsam näher, erfährt aber viel über das jüdische Leben in Polen und Russland Anfang des 20. Jahrhunderts als auch über das jüdische Leben in Brasilien in den dreißiger Jahren. Kennen Sie die Verbrecherorganisation Zwi Migdal? Wenn nicht, werden Sie sie in diesem Roman kennenlernen. Und gerade wo ich dachte, jetzt kommt das große Finale mit der Auflösung, wechselt der Autor plötzlich die Erzählperspektive.
Ein spannendes Buch über einen mir völlig unbekannten Aspekt in der jüngeren jüdischen Geschichte. Es ist teilweise eine Liebesgeschichte und doch auch wieder ein Spionage-Roman. Sehr ungewöhnlich und sehr lesenswert.
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Ein ganz anderer Afrika-RomanRezension vom 16.03.2013Gina Mayer stelle ich Ihnen an dieser Stelle ja nicht zum ersten Mal vor. Mit diesem Buch kehrt die Autorin einmal mehr zu den Wurzeln ihrer ersten Bücher (Die Protestantin und Das Medaillon) zurück. Alle drei Bücher beschäftigen sich in irgendeiner Weise mit der protestantischen Kirche.
In diesem Roman erzählt sie die Geschichte von Henriette (genannt Jette) aus ihrer eigenen Sicht, die als siebzehnjähriges Mädchen mit ihrer verwitweten Mutter 1900 nach Deutsch-Südwest ausgewandert ist. Eigentlich war es ihr Traum, Lehrerin zu werden wie ihr Vater. Doch die äußeren Umstände lassen es nicht zu. Und deshalb nimmt ihre Mutter einen Heiratsantrag von einem ihr unbekannten Missionar, den ihr der Pastor der Heimatgemeinde empfohlen hat, in dem deutschen Schutzgebiet an. Weder Henriette noch ihre Mutter haben die leiseste Vorstellung davon, wie es dort aussieht und wie sich ihr Leben dort gestalten wird. Die Missionarsstation Bethanien und der Pastor Freudenreich waren so ganz anders als Henriette es sich vorgestellt hat. Nach einem schweren Schicksalsschlag flieht Henriette mit Hilfe des Ochsentreibers Petrus. Sie will zu der Familie Cordes, die sie während der Überfahrt kennengelernt hat, in die Kap-Region. Unterwegs müssen die beiden Flüchtlinge einige schwierige Situationen bestehen. Dies schweißt sie fester zusammen als es die damalige Moral zulässt. Henriette erfährt einiges über die Schwarzen und ihre Lebensumstände: Bevor ihr Weißen hier wart, war bestimmt nicht alles gut. Aber damals waren meine Leute frei. Wir konnten gehen, wohin wir wollten, und leben, wie es uns gefiel. Und ein einziger Deutji braucht mehr Platz als ein ganzer Nama-Stamm. S. 278 und Die einen sagen, die Kaffer sind Tiere, man kann sie schlagen und treten. Und die anderen sagen, die Schwarzen sind arme Schweine, man muss sie bekehren, damit sie in den Himmel kommen, wenn sie sterben. Aber keiner sagt, dass wir ganz normale Menschen sind wie die Weißen auch. S. 300. Henriette bleibt aber weiterhin sehr idealistisch, muss letztendlich aber feststellen, dass die Wirklichkeit doch eine ganz andere ist.
Überraschenderweise ist dieses Buch ursprünglich 2011 im Thienemann Verlag als Jugendbuch für Leser ab 13 Jahren unter dem Titel Die Wildnis in mir erschienen. Während ich dieses Buch gelesen habe, erschien es mir nie wie ein Jugendbuch. Ich denke, es war die richtige Entscheidung, dieses Buch noch einmal unter einem anderen Titel als Taschenbuch für Erwachsene herauszubringen. Es ist ein wunderbares Buch, welches einem die Augen über die Situation der Menschen in den Regionen Deutsch-Südwest und Kap-Region Anfang des 20. Jahrhunderts öffnet. Und dadurch, dass die Ich-Erzählerin ein junges Mädchen ist, ist es sicherlich auch schon für Mädchen ab 12 Jahren interessant.
Es ist einmal ein ganz anderer Afrika-Roman, hervorragend recherchiert und sehr realistisch.
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Für die Verrückten unter uns, die einer Katze gehörenRezension vom 16.03.2013Es gibt nutzlose Bücher und es gibt nutzlose Bücher, die viel Spaß machen. Zum Glück empfindet das jeder anders. Ich habe jetzt so ein herrliches, kleines, nutzloses Buch gefunden, das mich köstlich amüsiert hat. Leider war es viel zu schnell zu Ende!
Katja Berlin hat das gemacht, was in Gedanken sicherlich ganz viele Menschen machen, die denken, dass sie eine Katze besitzen. Sie hat die Gedanken, bzw. Gespräche mit ihrem Kater aufgeschrieben. Allerdings nicht so altmodisch. Ihr Kater ist ein Genie (sind das nicht alle Katzen?) und kann SMS schreiben. Herausgekommen ist eine köstliche Sammlung von SMSs zu den verschiedensten Themen. Das sind so typische Themen wie Katzenfutter, Katzenstreu und Mäuse, aber auch so herrliche wie warum Frauchen keinen Mann findet und grundsätzliche philosophischen Betrachtungen.
So etwas möchte ich gerne als Abonnement auf mein Handy oder meinen E-Mail-Account haben. Dann kann ich wenigstens einmal am Tag garantiert lachen!
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Ein ganz anderer Afrika-RomanRezension vom 16.03.2013Gina Mayer stelle ich Ihnen an dieser Stelle ja nicht zum ersten Mal vor. Mit diesem Buch kehrt die Autorin einmal mehr zu den Wurzeln ihrer ersten Bücher (Die Protestantin und Das Medaillon) zurück. Alle drei Bücher beschäftigen sich in irgendeiner Weise mit der protestantischen Kirche.
In diesem Roman erzählt sie die Geschichte von Henriette (genannt Jette) aus ihrer eigenen Sicht, die als siebzehnjähriges Mädchen mit ihrer verwitweten Mutter 1900 nach Deutsch-Südwest ausgewandert ist. Eigentlich war es ihr Traum, Lehrerin zu werden wie ihr Vater. Doch die äußeren Umstände lassen es nicht zu. Und deshalb nimmt ihre Mutter einen Heiratsantrag von einem ihr unbekannten Missionar, den ihr der Pastor der Heimatgemeinde empfohlen hat, in dem deutschen Schutzgebiet an. Weder Henriette noch ihre Mutter haben die leiseste Vorstellung davon, wie es dort aussieht und wie sich ihr Leben dort gestalten wird. Die Missionarsstation Bethanien und der Pastor Freudenreich waren so ganz anders als Henriette es sich vorgestellt hat. Nach einem schweren Schicksalsschlag flieht Henriette mit Hilfe des Ochsentreibers Petrus. Sie will zu der Familie Cordes, die sie während der Überfahrt kennengelernt hat, in die Kap-Region. Unterwegs müssen die beiden Flüchtlinge einige schwierige Situationen bestehen. Dies schweißt sie fester zusammen als es die damalige Moral zulässt. Henriette erfährt einiges über die Schwarzen und ihre Lebensumstände: Bevor ihr Weißen hier wart, war bestimmt nicht alles gut. Aber damals waren meine Leute frei. Wir konnten gehen, wohin wir wollten, und leben, wie es uns gefiel. Und ein einziger Deutji braucht mehr Platz als ein ganzer Nama-Stamm. S. 278 und Die einen sagen, die Kaffer sind Tiere, man kann sie schlagen und treten. Und die anderen sagen, die Schwarzen sind arme Schweine, man muss sie bekehren, damit sie in den Himmel kommen, wenn sie sterben. Aber keiner sagt, dass wir ganz normale Menschen sind wie die Weißen auch. S. 300. Henriette bleibt aber weiterhin sehr idealistisch, muss letztendlich aber feststellen, dass die Wirklichkeit doch eine ganz andere ist.
Während ich dieses Buch gelesen habe, erschien es mir nie wie ein Jugendbuch. Es ist ein wunderbares Buch, welches einem die Augen über die Situation der Menschen in den Regionen Deutsch-Südwest und Kap-Region Anfang des 20. Jahrhunderts öffnet. Und dadurch, dass die Ich-Erzählerin ein junges Mädchen ist, ist es sicherlich auch schon für Mädchen ab 12 Jahren interessant.
Es ist einmal ein ganz anderer Afrika-Roman, hervorragend recherchiert und sehr realistisch.
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Max und Hannah eine Liebesgeschichte?Rezension vom 16.03.2013Dies vorab: Es ist ein ungewöhnliches Buch und ganz anders als ich es mir an Hand des Klappentextes und des Covers vorgestellt hatte. Denn es ist beim besten Willen keine klassische Liebesgeschichte!
Ronaldo Wrobel ist ein brasilianischer Jude, der als Schriftsteller, Journalist und Rechtsanwalt in Rio de Janeiro lebt. Sein erster Roman wurde vom brasilianischen Kulturministerium, die Übersetzung vom Deutschen Übersetzerfond gefördert. Er erzählt darin einen Teil der jüdischen Geschichte, nämlich den der jüdischen Auswanderen aus dem Osten Europas nach Brasilien.
Seine Hauptperson ist Max. Max ist ein jüdischer Schuster, Mitte Dreißig und lebt in Rio de Janeiro. Er lebt ganz unauffällig und allein. Manchmal geht er zu Prostituierten, aber nicht zu den jüdischen, den sogenannten Polacas. Das passt nämlich nicht in sein Weltbild. Eines Tages wird er auf die Polizeistation gebeten, wo man ihn zwangsverpflichtet, dass er Briefe aus dem jiddischen ins portugiesische übersetzt. Und bei dieser Tätigkeit entdeckt er Hannah, die einen regelmäßigen Briefverkehr mit ihrer Schwester Guita in Buenos Aires unterhält. Hannahs Briefe sind so wunderbar, teilweise lebensklug, teilweise poetisch, so dass er sich nur auf Grund dieser Briefe in sie verliebt. Er hat keine Adresse von ihr, und doch versucht er sie ausfindig zu machen. Und eines Tages steht sie in seinem Laden und erkennt sie an Hand ihrer Handschrift. Doch wer ist Hannah wirklich? Erst nach und nach entdeckt er die Wahrheit über Hannah. Und immer, wenn er denkt, er weiß jetzt wirklich alles über sie, erfährt er wieder etwas Neues. Und so jagt er eigentlich ein Phantom.
Das Buch hat mich mehrfach überrascht. Der Autor versteht es fesselnd zu erzählen. Aber er ist auch ein typischer lateinamerikanischer Autor und erzählt seine Geschichte nicht stringent durch, sondern schweift immer mal wieder ab. Und so kommt man der eigentlichen Geschichte nur sehr langsam näher, erfährt aber viel über das jüdische Leben in Polen und Russland Anfang des 20. Jahrhunderts als auch über das jüdische Leben in Brasilien in den dreißiger Jahren. Kennen Sie die Verbrecherorganisation Zwi Migdal? Wenn nicht, werden Sie sie in diesem Roman kennenlernen. Und gerade wo ich dachte, jetzt kommt das große Finale mit der Auflösung, wechselt der Autor plötzlich die Erzählperspektive.
Ein spannendes Buch über einen mir völlig unbekannten Aspekt in der jüngeren jüdischen Geschichte. Es ist teilweise eine Liebesgeschichte und doch auch wieder ein Spionage-Roman. Sehr ungewöhnlich und sehr lesenswert.
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Ein ganz anderer Afrika-RomanRezension vom 16.03.2013Gina Mayer stelle ich Ihnen an dieser Stelle ja nicht zum ersten Mal vor. Mit diesem Buch kehrt die Autorin einmal mehr zu den Wurzeln ihrer ersten Bücher (Die Protestantin und Das Medaillon) zurück. Alle drei Bücher beschäftigen sich in irgendeiner Weise mit der protestantischen Kirche.
In diesem Roman erzählt sie die Geschichte von Henriette (genannt Jette) aus ihrer eigenen Sicht, die als siebzehnjähriges Mädchen mit ihrer verwitweten Mutter 1900 nach Deutsch-Südwest ausgewandert ist. Eigentlich war es ihr Traum, Lehrerin zu werden wie ihr Vater. Doch die äußeren Umstände lassen es nicht zu. Und deshalb nimmt ihre Mutter einen Heiratsantrag von einem ihr unbekannten Missionar, den ihr der Pastor der Heimatgemeinde empfohlen hat, in dem deutschen Schutzgebiet an. Weder Henriette noch ihre Mutter haben die leiseste Vorstellung davon, wie es dort aussieht und wie sich ihr Leben dort gestalten wird. Die Missionarsstation Bethanien und der Pastor Freudenreich waren so ganz anders als Henriette es sich vorgestellt hat. Nach einem schweren Schicksalsschlag flieht Henriette mit Hilfe des Ochsentreibers Petrus. Sie will zu der Familie Cordes, die sie während der Überfahrt kennengelernt hat, in die Kap-Region. Unterwegs müssen die beiden Flüchtlinge einige schwierige Situationen bestehen. Dies schweißt sie fester zusammen als es die damalige Moral zulässt. Henriette erfährt einiges über die Schwarzen und ihre Lebensumstände: Bevor ihr Weißen hier wart, war bestimmt nicht alles gut. Aber damals waren meine Leute frei. Wir konnten gehen, wohin wir wollten, und leben, wie es uns gefiel. Und ein einziger Deutji braucht mehr Platz als ein ganzer Nama-Stamm. S. 278 und Die einen sagen, die Kaffer sind Tiere, man kann sie schlagen und treten. Und die anderen sagen, die Schwarzen sind arme Schweine, man muss sie bekehren, damit sie in den Himmel kommen, wenn sie sterben. Aber keiner sagt, dass wir ganz normale Menschen sind wie die Weißen auch. S. 300. Henriette bleibt aber weiterhin sehr idealistisch, muss letztendlich aber feststellen, dass die Wirklichkeit doch eine ganz andere ist.
Während ich dieses Buch gelesen habe, erschien es mir nie wie ein Jugendbuch. Es ist ein wunderbares Buch, welches einem die Augen über die Situation der Menschen in den Regionen Deutsch-Südwest und Kap-Region Anfang des 20. Jahrhunderts öffnet. Und dadurch, dass die Ich-Erzählerin ein junges Mädchen ist, ist es sicherlich auch schon für Mädchen ab 12 Jahren interessant.
Es ist einmal ein ganz anderer Afrika-Roman, hervorragend recherchiert und sehr realistisch.
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Abgründe tun sich aufRezension vom 12.03.2013Im November 2011 habe ich Ihnen das erste Buch des niederländischen Autoren und Komikers Herman Koch Angerichtet (ebenfalls Kiepenheuer & Witsch) empfohlen. Jetzt ist sein zweiter Roman als Taschenbuch erschienen. Das erste Buch hatte mich ja total begeistert, aber auch sehr erschreckt. Nun war ich sehr gespannt, ob er noch einmal so ein großartiges Buch hinbekommen hat.
Auch dieses Buch wird wieder aus der Ich-Perspektive der männlichen Hauptperson erzählt. Diese Hauptperson ist Marc Schlosser, ein Allgemeinmediziner, verheiratet mit der attraktiven Caroline und Vater zweier Töchter (11 und 14 Jahre alt). Als er seine Geschichte beginnt, ist der eigentliche Zwischenfall schon Geschichte. Marc muss sich vor der niederländischen Ärztekammer verantworten, weil sein Patient, der berühmte Schauspieler Ralph Meier, gestorben ist. Es deutet darauf hin, dass er einen Kunstfehler begangen hat. Aber war es wirklich ein Kunstfehler? Marc erzählt, wie er und seine Frau Ralph und dessen Frau Judith kennengelernt haben. Wie es dazu gekommen ist, dass beide Familien zusammen den Urlaub im Sommerhaus mit Swimmingpool verbracht haben. Und was in diesem Urlaub dramatisches passiert ist. Und während er diese Geschichte erzählt, tun sich Abgründe auf. Marc ist ein ganz spezieller Hausarzt, zu dem Patienten kommen, die bei ihren eigentlichen Hausärzten nicht die Hilfe bekommen, die sie sich eigentlich wünschen. Marc mag seine Patienten nicht wirklich, sondern sieht auf sie herab. Und er hat keine gute Meinung von den Menschen per se. Sein großes Vorbild war sein Biomedizinprofessor, der die Auffassung vertrat, dass der Instinkt unausrottbar ist und dementsprechend schlechte Menschen sich eben nicht bessern können. Und jetzt denken Sie mal nach, was so ein Mediziner bereit ist zu tun, wenn er seine Familie verteidigen muss.
Herman Koch ist ein Autor, der seine Protagonisten Dinge denken und sogar machen lässt, die sich viele von uns nicht einmal zu denken trauen. So ist Selbstjustiz bei ihm immer ein probates Mittel für seine Hauptpersonen, deren Denkweise von der politisch korrekten Norm abweicht. Diese Romane sind deshalb schon eine ganz schön schwere Kost, aber sie regen zum Nachdenken an und sind unwahrscheinlich spannend, obwohl ich sie nicht als Krimis bezeichnen würde. Sie sind ein großartiges Abbild unserer heutigen Gesellschaft.
Irgendwie hat der erste Roman mir aber doch noch etwas besser gefallen. Da war mir der Protagonist nicht von Anfang an so unsympathisch.
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Der Nahe Osten im UmbruchRezension vom 12.03.2013John Dos Passos ist ein amerikanischer Autor, der neben Ernest Hemingway, William Faulkner und F. Scott Fitzgerald als einer der Hauptvertreter der Moderne gilt. Politisch verstand er sich als Sozialrevolutionär. Er kämpfte als Freiwilliger bei den Republikanern im spanischen Bürgerkrieg, doch dort ging er auf Distanz zu den stalinistischen Linken, obwohl er die Sowjetunion als wichtigste antifaschistische Macht ansah. Seine Nähe zum Kommunismus wurde ihm immer negativ angekreidet, so dass er fast in Vergessenheit geraten ist. Ich habe als junge Frau von ihm die Romane Manhattan Transfer und U.S.A., ein in drei Bänden angelegtes Sittengemälde der amerikanischen Gesellschaft von 1890 bis 1930, mit absoluter Begeisterung gelesen. Leider sind diese beiden Bücher nur noch antiquarisch erhältlich. Für mich ist er einer der großen US-amerikanischen Autoren, die sich intensiv mit der amerikanischen Gesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts auseinandergesetzt hat. Jetzt hat der Nagel & Kimche Verlag sehr zu meiner Freude sein Reisetagebuch von 1921, welches ursprünglich 1927 veröffentlicht wurde, wieder aufgelegt.
1921 war John Dos Passos 25 Jahre alt. Er besucht den Nahen Osten. Durch ein Erbe von seinem Vater hat er etwas Geld, so dass er sich diese Reise leisten konnte. Die erste Station ist Istanbul. Danach geht es zum Teil mit dem Zug und zum Teil per Kamel weiter bis nach Damaskus. Es ist die Zeit nach dem 1. Weltkrieg und es ist die Zeit des Zerfalls des osmanischen Reichs. Das Massaker der griechischen Truppen an türkischen und muslimischen Bewohnern von Smyrna im Jahr 1919 hat bereits stattgefunden. Der Gegenschlag der Türken gegen die Griechen und Armenier 1922 stand noch bevor. Es gab russische Flüchtlinge, die vor den Sowjets geflohen sind. Die Stadt war noch ein hochexplosiver Hexenkessel. Während seiner ganzen Reise ist er ein großartiger Beobachter. Zu Beginn beobachtet er noch mehr, was um ihn herum geschieht und beschreibt dies, wie es scheint, teilweise ohne große Emotionen. Trotzdem kommt das Leid, welchem er auf seiner Reise begegnet, gut rüber. Im Nahen Osten sind der 1. Weltkrieg und die russische Revolution noch nicht vollständig vorbei. Es entstehen neue Länder durch das Eingreifen der Westalliierten und der Sowjetunion, aber noch kann man ungehindert reisen. Und genau dies tut der Autor. Im zweiten Teil seiner Reise durch die Wüste beobachtet er eher sich selbst. Wie kann man ohne die Dinge leben, die im Westen etwas ganz gewöhnliches sind. Wie kann man leben, wenn man fast ganz auf sich selbst reduziert wird.
Es ist ein sehr interessanter Bericht über eine Region, die es in dieser Weise heute nicht mehr gibt. Und es ist erstaunlich, dass dieser ganze Umbruch erst in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts stattgefunden hat. Wenn man sich mit der Geografie und der Geschichte dieser Region nicht so sehr auskennt, ist es teilweise etwas verwirrend zu lesen, aber am Ende des Buches gibt es einen hervorragenden Artikel, der die Hintergründe verständlich macht.
Interessant für Leser, die sich für die jüngere Geschichte des Nahen Ostens interessieren. Denn dieses Buch zeigt auch einiges auf, warum diese Region noch heute ein Hexenkessel ist.



























