Buch
Taschenbuch (558 Seiten)
Sprache: Deutsch
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von Nele Neuhaus
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Ein Nachtwächter stürzt zu Tode. Ein Grundstück im Taunus, das plötzlich zwei Millionen Euro wert ist, kostet einen alten Mann das Leben. Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein ermitteln im Kreise von Verdächtigen, die alle vorgeblich für eine gute Sache kämpfen. Doch jeder von ihnen hat sein eigenes Motiv – nichts ist, wie es scheint. Bis die Lügengebäude einstürzen. Rachsucht und Gier offenbar werden. Liebe in Hass umschlägt und Menschen büßen müssen.
| Verkaufsrang: | 1.541 |
|---|---|
| ISBN-10: | 3-548-28351-9 |
| EAN: | 9783548283517 |
| Erschienen: | 13.05.2011 |
| Verlag: | Ullstein Taschenbuchverlag |
| Einband: | Taschenbuch |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 558 |
| Gewicht: | 584 g |
| Reihe: | Ullstein-Bücher, Allgemeine Reihe |
Nele Neuhaus, geboren 1967 in Münster/Westfalen, lebt seit ihrer Kindheit im Taunus und schreibt bereits ebenso lange. Sie arbeitete in einer Werbeagentur und studierte Jura, Geschichte und Germanistik. Heute lebt die begeisterte Pferdenärrin mit Mann und Hund im Vordertaunus. Mit ihren Krimis um das Ermittlerduo Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff hat sich Nele Neuhaus eine begeisterte Fangemeinde geschaffen.
von einer Kundin/einem Kunden, am 30.01.2012
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von Themistokeles, am 10.01.2012
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von Themistokeles, am 10.01.2012
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von Nefret, am 21.12.2011
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von Christiane Hibbe, am 08.11.2011
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von Kerstin Thieme, am 25.10.2011
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von Mandy B, am 23.10.2011
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von Manuela2205, am 30.09.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 19.09.2011
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von Kati Wascher, am 17.09.2011
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von M. Diehl, am 10.09.2011
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von Heike Schiffner, am 29.08.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 29.08.2011
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von Volker M., am 23.08.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 03.08.2011
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von Spatzi79, am 26.07.2011
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von Alexia, am 24.07.2011
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von Melanie Winkler, am 23.07.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 06.07.2011
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Prolog
Sie rannte die menschenleere Straße entlang, so schnell sie rennen konnte. Am nachtschwarzen Himmel explodierten erste verfrühte Silvesterraketen. Wenn es ihr doch nur gelingen würde, den Park zu erreichen, die feiernden Menschenmassen, in denen sie untertauchen konnte! Sie kannte die Gegend nicht, hatte völlig die Orientierung verloren. Die Schritte ihrer Verfolger hallten von den hohen Häusermauern wider. Sie waren ihr dicht auf den Fersen, trieben sie immer weiter von den größeren Straßen weg, weg von Taxis, U-Bahn und Menschen. Wenn sie jetzt stolperte, war alles aus. Die Todesangst schnürte ihr die Luft ab, das Herz hämmerte gegen ihre Rippen. Lange konnte sie das Tempo nicht mehr durchhalten. Da! Endlich! Zwischen den endlosen Fassaden der hohen Häuser gähnte ein düsterer Spalt. Sie bog in vollem Lauf in die schmale Gasse ein, aber ihre Erleichterung dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde, bis sie begriff, dass sie den größten Fehler ihres Lebens gemacht hatte. Vor ihr erhob sich eine fensterlose glatte Mauer. Sie saß in der Falle! Das Blut rauschte in ihren Ohren, ihr Keuchen war das einzige Geräusch in der plötzlichen Stille. Sie duckte sich hinter ein paar stinkende Mülltonnen, presste ihr Gesicht an die raue, feuchte Hausmauer und schloss die Augen in der verzweifelten Hoffnung, die Männer würden sie nicht sehen und weitergehen. »Da ist sie!«, rief jemand mit halblauter Stimme. »Jetzt haben wir sie.«
Ein Scheinwerfer flammte auf, sie hob einen Arm und blinzelte geblendet in das grelle Licht. Ihre Gedanken rasten. Sollte sie um Hilfe schreien? »Hier kommt sie nicht raus«, sagte ein anderer. Schritte auf dem Pflaster. Die Männer kamen näher, langsam jetzt, ohne Eile. Ihr Körper schmerzte vor Angst. Sie ballte die schweißfeuchten Hände zu Fäusten, ihre Fingernägel gruben sich schmerzhaft ins Fleisch. Und dann sah sie ihn! Er trat in das Licht und blickte auf sie herab. Für einen winzigen erleichterten Moment durchzuckte sie die wahnsinnige Hoffnung, er sei gekommen, um ihr zu helfen. »Bitte!«, flüsterte sie heiser und streckte die Hand nach ihm aus. »Ich kann alles erklären, ich ?« »Zu spät«, schnitt er ihr das Wort ab. Sie las kalten Zorn und Verachtung in seinen Augen. Der letzte Funken Hoffnung in ihrem Innern verglühte und zerfiel zu Asche, so, wie die schöne weiße Villa am Seeufer. »Bitte, geh nicht!« Ihre Stimme klang schrill. Sie wollte zu ihm kriechen, ihn um Verzeihung anbetteln, ihm schwören, dass sie alles, alles für ihn tun würde, aber er wandte sich ab und verschwand aus ihrem Blickfeld, ließ sie allein mit den Männern, von denen sie keine Gnade zu erwarten hatte. Die Panik schlug wie eine schwarze Welle über ihr zusammen. Sie blickte sich wild um. Nein! Nein, sie wollte nicht sterben! Nicht in dieser dunklen, dreckigen Gasse, die nach Pisse und Müll stank! Mit einer Kraft, die ihr die Angst verlieh, wehrte sie sich, sie trat und schlug um sich, kämpfte verbissen ihren allerletzten Kampf. Doch sie hatte keine Chance, die Männer drückten sie auf den Boden und bogen ihre Arme brutal nach hinten. Dann spürte sie den Stich an ihrem Arm. Ihre Muskeln wurden schlaff, die Gasse zerfloss vor ihren Augen, während man ihr die Kleider vom Leib zerrte, bis sie nackt und hilflos dalag. Sie fühlte sich davongetragen, erhaschte einen letzten Blick auf den schmalen Streifen nachtschwarzen Himmels zwischen den hohen Mauern, sah die blinkenden Sterne. Dann stürzte sie und fiel und fiel in endlose, schwarze Tiefe. Für einen kurzen, herrlichen Moment fühlte sie sich schwerelos, der rasende Fall raubte ihr den Atem, es wurde dunkel, und sie war ein klein bisschen verwundert, dass Sterben so leicht war. Sie fuhr in die Höhe. Das Herz raste in ihrer Brust, und sie brauchte ein paar Sekunden, um zu begreifen, dass sie nur geträumt hatte. Dieser Traum verfolgte sie seit Monaten, aber nie war er so real gewesen, und nie hatte sie ihn bis zu Ende geträumt. Zitternd schlang sie die Arme um ihren Oberkörper und wartete, bis sich ihre verkrampften Muskeln entspannten und die Kälte aus ihrem Körper wich. Das Licht der Straßenlaterne fiel durch das vergitterte Fenster. Wie lange war sie hier in Sicherheit? Sie ließ sich nach hinten sinken, presste ihr Gesicht ins Kopfkissen und begann zu schluchzen, denn sie wusste, dass diese Angst sie nie mehr loslassen würde. dere Ansichten als Marks Vater, der sich höchstens mal über die Steuerpolitik der Bundesregierung oder über die Linken und die GRÜNEN aufregte. Vor allen Dingen ließ Jannis seinen Worten Taten folgen. Schon ein paarmal hatte Mark ihn auf Demos und Kundgebungen begleiten dürfen und war tief beeindruckt, weil Jannis tausend Leute kannte. Er setzte gerade den Helm auf und ließ seinen Roller an, da kam Rickys dunkler Kombi die Straße hoch. Sein Herz machte einen Satz, als sie neben ihm anhielt und die Scheibe herunterließ. »Guten Morgen«, lächelte sie. »Tut mir leid, dass ich etwas spät bin.« »Morgen.« Er merkte, dass er knallrot wurde. Leider eine normale Reaktion bei ihm, dieses blöde Rotwerden. »Hilf mir doch schnell beim Füttern«, schlug sie vor. »Dabei können wir reden, okay?« Mark zögerte. Ach was, scheiß auf die Schule. Er hatte dort alles gelernt, was es fürs Leben zu lernen gab. Das wahre Leben fand sowieso woanders statt. »Okay«, sagte er. * Die Morgensonne spiegelte sich in der hohen, gläsernen Fassade des futuristisch anmutenden Gebäudes, das im Gewerbegebiet auf einer sorgfältig gemähten Rasenfläche hockte wie ein gestrandetes Raumschiff. Henning stellte seinen Kombi auf dem Parkplatz ab, der bis auf wenige Autos noch völlig leer war. Er nahm die beiden Alukoffer aus dem Kofferraum und brummte nur »Geht schon«, als Pia ihm einen abnehmen wollte. Seitdem sie Christoph vor einer Viertelstunde am Tor vor dem Birkenhof abgesetzt hatten, hatte er morgenmuffelig geschwiegen, aber da Pia sechzehn Jahre mit ihm verheiratet gewesen war und seine Eigenheiten bestens kannte, störte sie sich nicht daran. Manchmal schaffte Henning es, drei Tage lang überhaupt kein Wort von sich zu geben. Sie überquerten den gepflasterten Vorplatz mit üppig bepflanzten Blumenrabatten und einem Springbrunnen, neben dem zwei Streifenwagen parkten. Pias Blick streifte im Vorbeigehen das Firmenschild. WindPro GmbH. Das stilisierte Windrad daneben deutete an, womit sich die Firma beschäftigte. Ein Polizeibeamter stand gähnend auf der Treppe vor der Eingangstür und ließ sie mit einem Nicken passieren. Der unverwechselbar süßliche Geruch von verfaulendem Fleisch drang Pia in die Nase, kaum dass sie die imposante offene Eingangshalle betreten hatten. »Na, da lag wohl jemand übers ganze Wochenende in diesem Brutkasten«, bemerkte Henning neben ihr. Pia überhörte seinen Zynismus. Ihr Blick wanderte die drei Stockwerke hoch, die über geschwungene Freitreppen und einen gläsernen Aufzug zu erreichen waren. Vor dem langgestreckten Tresen aus Edelstahl auf der rechten Seite saß eine Frau vornübergebeugt auf einem Stuhl, die Ellbogen auf die Knie gestützt, das Gesicht in den Händen vergraben. Um sie herum standen ein paar uniformierte Beamte und ein Mann in Zivil. Das musste der neue Kollege sein, von dem Bodenstein gesprochen hatte. »Ach, schau an«, sagte Henning. »Was ist? Kennst du ihn?« »Ja. Cemalettin Altunay. Er war bis jetzt beim K11 in Offenbach. « Als stellvertretender Direktor des Instituts für Rechtsmedizin in Frankfurt kannte Henning die meisten Mitarbeiter der Dezernate für Gewaltdelikte im Rhein-Main-Gebiet und ganz Südhessen. Pia musterte den Mann, der sich über die Frau gebeugt hatte und leise mit ihr sprach. Höchstens Ende dreißig, schätzte sie, und rein optisch eine deutliche Verbesserung zu seinem Vorgänger Frank Behnke. Schneeweißes Hemd, schwarze Jeans, blitzblanke Schuhe, das dichte, schwarze Haar militärisch kurz geschnitten ? ein makelloses Erscheinungsbild. Sofort fühlte sie sich noch ein bisschen unwohler in ihrem zerknitterten grauen T-Shirt mit den Schweißrändern unter den Achseln und ihrer fleckigen Jeans. Vielleicht hätte sie sich doch noch duschen und umziehen sollen. Zu spät. »Hallo, Herr Dr. Kirchhoff«, sagte der Neue mit einer angenehmen, tiefen Stimme, dann wandte er sich Pia zu und reichte ihr die Hand. »Kriminaloberkommissar Cem Altunay. Ich freue mich, dich kennenzulernen, Pia. Kai und Kathrin haben schon eine Menge von dir erzählt. Hattest du einen schönen Urlaub?« »Ich ? äh ja, da? danke«, stotterte sie. »Ich bin erst vor einer halben Stunde gelandet, der Flug hatte neun Stunden Verspätung ?« »Und dann gleich eine Leiche. Tut mir leid.« Cem Altunay lächelte entschuldigend, als sei er dafür verantwortlich. Ein paar Sekunden sahen sie sich an, dann schlug Pia die Augen nieder. Sein Zartbitterschokoladenblick irritierte sie. Die Sekunden verstrichen, und ihr Schweigen wurde peinlich. Hinter ihnen stieß Henning ein kleines, spöttisches Schnauben aus, das Pia in die Realität zurückholte. Sie riss sich zusammen. »Was haben wir hier?«, erkundigte sie sich. »Der Tote heißt Rolf Grossmann und arbeitete seit ein paar Jahren hier als Nachtwächter. Sieht wie ein Unfall aus«, erwiderte Cem Altunay. »Eine Mitarbeiterin hat die Leiche heute Morgen gegen halb sieben gefunden. Kommt mit.« Der süßliche Geruch wurde stärker. Leichen, die schon so penetrant rochen, sahen meistens nicht mehr sehr appetitlich aus. Pia folgte ihm die Treppe hinauf und wappnete sich innerlich, dennoch verschlug ihr der Anblick für einen Moment den Atem. Der Tote, dessen aufgedunsenes und verfärbtes Gesicht kaum noch menschliche Züge hatte, lag mit grotesk verdrehten Gliedern auf dem Treppenabsatz zwischen dem zweiten und dem dritten Stock. Sie hatte in ihrem Beruf schon viel gesehen, trotzdem hob sich ihr Magen angesichts der Fliegen, die auf der Leiche herumkrabbelten. Nur ihre professionelle Selbstbeherrschung verhinderte, dass sie sich vor dem neuen Kollegen übergab. »Wieso denkst du, dass es sich um einen Unfall handelt?«, fragte sie und kämpfte den Brechreiz nieder. Die Hitze, die in der großen Halle herrschte, trieb ihr den Schweiß aus allen Poren. »Puh! Kann man nicht mal die Klimaanlage einschalten oder die Glaskuppel öffnen?« »Untersteh dich!«, rief Henning, der gerade einen weißen Einwegoverall überzog. »Wehe, du versaust mir den Fundort. « Pia bemerkte den erstaunten Blick ihres neuen Kollegen. »Wir waren mal verheiratet«, gab sie als knappe Erklärung. »Also, was denkst du?« »Es sieht so aus, als sei er gestolpert und die Treppe hinuntergefallen «, erwiderte Cem Altunay. »Hm.« Pias Augen folgten der Treppe, die sich in einem sanften Bogen hoch in den dritten Stock schwang. »Konntest du schon mit der Frau sprechen, die ihn gefunden hat? Was macht sie überhaupt morgens um halb sieben hier?« Henning klappte geräuschvoll seine Koffer auf. Die Fliegen summten um ihn herum, als er sich nun über die Leiche beugte und sie kritisch betrachtete. »Angeblich fängt sie immer so früh an. Arbeitet in der Buchhaltung.« Altunay drehte sich zu der Frau um, die noch immer reglos auf dem Stuhl saß. »Sie steht unter Schock. Offenbar haben sie und der Tote sich gut verstanden, öfter morgens eine Tasse Kaffee zusammen getrunken.« »Aber wieso soll er einfach so die Treppe hinuntergefallen sein?« »Er hatte wohl ein Alkoholproblem, das behauptet auf jeden Fall die Buchhalterin«, antwortete Cem Altunay. »Die Leiche riecht auch nach Alkohol, und in der Teeküche hinter dem Empfangstresen steht eine angebrochene Flasche Jack Daniels.«
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