Geniale Strategien zur lösungsorientierten Beziehungsgestaltung
von
www.elicit.de, am 29.12.2009
1
von 1
Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Im Beratungs- und Therapiebereich wissen viele das Buch "MiniMax-Interventionen" von Dr. Manfred Prior wegen seiner Einfachheit einerseits und der großen Wirkung andererseits zu schätzen.
Inzwischen hat er zusammen mit Heike Winkler - einer Lehrerin und somit "vom Fach" - die MiniMax-Interventionen für den Bereich Schule neu formuliert. Es wendet sich also an Lehrer oder Personen in Erziehungsberufen, auch die Beispiele sind aus diesem Umfeld gewählt.
Einer der wichtigsten Sätze steht schon in der Einführung: "Die Wunder, nach denen man sich im Erziehungsalltag besonders in scheinbar ausweglosen Situationen verständlicherweise immer einmal wieder sehnt, lassen sich aber auch mit der systematischen Anwendung von MiniMax-Strategien nicht herbeizaubern." Der Autor verspricht also nicht Allheilmittel, die schlagartig alle Schwierigkeiten im Berufsalltag lösen. Vielmehr sollen die beschriebenen 16 Strategien bewirken, dass sich der Blick der Leser mehr auf die Fähigkeiten und Ressourcen der Schüler - oder auch der Eltern - richtet. Und dies im Dialog durch gezielte Sprachmuster auf ihre Fähigkeiten hin orientiert.
Das bewirkt zweierlei: zum einen verändert es die Beziehungsgestaltung - wer sich in seinen Stärken gesehen fühlt, fühlt sich selbst bestätigt und wird anders reagieren, als jemand der in seinen Defiziten oder Schwächen angesprochen wird. Dies ist umso wichtiger, da Lernen ja immer in Beziehungen stattfindet: je "besser die Chemie stimmt", desto leichter fällt lernen (ein Punkt, der viel zu wenig Beachtung in der Diskussion um Schule findet). So lässt sich auch die Wahrscheinlichkeit von Verhaltensänderungen aktiv beeinflussen.
Zum anderen können Lehrer/innen so auch Verantwortung an die Schüler/innen bzw. Eltern zurückgeben: Wer die "Lösungskraft" in anderen anspricht, braucht selbst weniger Vorschläge machen, die im Zweifelsfall dann abgelehnt werden, weil sie "übergestülpt" wirken.
Im Buch werden also 16 einfache Strategien beschrieben, wie Lehrer im Berufsalltag durch kleine sprachliche Muster einen Unterschied erreichen können. Die Strategien sind verständlich dargestellt und mit vielen Beispielen aus dem Unterricht versehen, so dass der Leser sowohl auf der abstrakten als auch auf der konkreten Ebene eine Vorstellung bekommt, wie er die Strategien anwenden kann und wie sie wirken. Einigen kritischen Lesern könnten die Beispiele vielleicht zu einfach vorkommen. Klar, aufgeschrieben ist so etwas schnell, denn in der Praxis läuft es oft täglich viel komplizierter. Nur braucht man von der Wirkung der Strategien noch gar nicht überzeugt sein, man kann sie ja einfach mal anwenden und neugierig sein, was passiert. Und vielleicht stellen sich auch Erfolge noch nicht sofort ein, denn, wie viele Lehrer/innen wissen: "nur Übung macht den Meister" oder auch "steter Tropfen höhlt den Stein".
Die Empfehlung auch von Dr. Prior ist, sich erstmal Strategien anzuschauen und auszuprobieren, die einen persönlich "anspringen". So lässt sich das Buch auch von vorne nach hinten oder auch in Sprüngen zwischen den Kapiteln lesen.
Fazit: Rundum ein gelungenes Buch für Lehrer, verständlich mit vielen Beispielen beschrieben und daher locker zu lesen. Wer im Klassenraum noch systematischer Ressourcen- und Lösungsorientierung praktizieren möchte, findet hier alltagstaugliche Strategien, die sich einfach und sofort umsetzen lassen. Von daher: weniger große Theorie, sondern vielmehr ein Buch von Praktikern für Praktiker!