Weiße Zimthimbeeren
von
Susanne Pichler, am 13.12.2010
1
von 1
Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Der Name der Autorin, Novella Carpenter, der Titel "Meine kleine Cityfarm" und das Titelbild des Buches, Schweinchen, Küken, Vögel und frisches Gemüse, vermitteln den Eindruck, der Leser hätte es hier mit einem niedlichen pittoresken Stoff zu tun.
Nun, dem ist ganz und gar nicht so.
Novella Carpenter schildert in diesem Buch ihre Bemühungen, einen echten Farmbetrieb mitten in einem Viertel von Oakland, um das man besser einen großen Bogen machen sollte, auf die Beine zu stellen. Zu ihren Nachbarn gehören Obdachlose, Prostituierte, Gangs, Mönche, Mitglieder der Black Panther Bewegung und Familien, die versuchen, inmitten von Gewalt und Drogen, ihr Leben so gut wie eben möglich zu fristen.
Auf einem mehr oder weniger herrenlosen Grundstück, das an ihren kleinen Garten anschließt, baut Novella Carpenter ihre Farm auf. Obst und Gemüse, Bienen, Hühner, Enten, Truthähne, Gänse, Kaninchen und Schweine beleben rasch ihren Garten. Sie legt enorm viel Wert auf eine möglichst sinnvolle ökologische Nutzung von allem; obwohl mitten im Ghetto, versucht sie wiederzuverwerten und traditionelle Anbauformen umzusetzen.
Novella Carpenter ist durch und durch Farmerin. Sie zieht ihre Tiere auf, füttert sie, hegt und pflegt sie und schlachtet sie schlussendlich auch. Für sie ist das der natürliche Kreislauf des Lebens; sie empfindet Dankbarkeit für das Leben ihrer Tiere und feiert mit Freunden und Nachbarn das Leben und den Tod dieser Tiere, indem sie ein Barbecue veranstaltet, bei dem alles, ob Fleisch oder Beilagen, aus eigener Erzeugung stammen.
Novella Carpenters Stil ist unverblümt und direkt. Sie nimmt sich kein Blatt vor den Mund, schildert wie sie gemeinsam mit ihrem Freund die Mülltonnen hinter den Lokalen leert, um mit diesen Delikatessen ihre Schweine zu füttern. Sie macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube, Ungerechtigkeit und Verschwendung bringen sie auf die sprichwörtliche Palme.
Spannend fand ich auch, dass Cityfarmen in vielen amerikanischen Großstädten durchaus ein Thema sind. Im Laufe der Geschichte haben sie sich einen relativ festen Platz quer durch das Land, von der Ost- bis an die Westküste, erobert.
"Meine kleine Cityfarm" war für mich ein sehr überraschendes Buch, das sehr viel mehr Tiefe und Inhalt hatte, als ich zuerst dachte. Ich denke, dass jeder, der einmal von der Kombination Land- und Stadtleben geträumt hat, hier viele vertraute Gedanken finden wird.