Eine Frage der Zeit

Roman

von Alex Capus

Buch

gebunden (301 Seiten)

Sprache: Deutsch

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Drei deutsche Werftarbeiter und ihre Odyssee im Herzen Afrikas


Alex Capus besitzt eine wunderbare Doppelbegabung«, hieß es in einer Sendung des Hessischen Rundfunks treffend, »er recherchiert nicht nur gut und genau, er kann auch verdammt gut erzählen.« In seinem neuen Roman stellt Alex Capus seine Doppelbegabung erneut unter Beweis. Kraftvoll und unprätentiös erzählt er eine ganz unglaubliche, doch wahre Geschichte, in der es um die alte Frage geht, wie man unter der Macht der Umstände ein Leben in Anstand und Würde führen kann.


Drei norddeutsche Werftarbeiter werden 1913 von Kaiser Wilhelm II. beauftragt, ein Dampfschiff in seine Einzelteile zu zerlegen und am Tanganikasee südlich des Kilimandscharo wieder zusammenzusetzen. Der Monarch will damit seine imperialen Ansprüche unterstreichen. Die drei Männer fahren nach Deutsch-Ostafrika mit der Aussicht auf guten Verdienst, lassen sich bezaubern von der exotischen Kulisse und der schönen Gouverneurin, geraten aber rasch in das gewalttätige Räderwerk des Kolonialismus, aus dem es kein Entrinnen gibt.


Zur gleichen Zeit beauftragt Winston Churchill den exzentrischen, aber liebenswerten Oberleutnant Spicer Simson, zwei Kanonenboote über Land durch halb Afrika an den Tanganikasee zu schleppen. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, liegen sich Deutsche und Briten an seinen Ufern gegenüber. Keiner will, aber jeder muss Krieg führen vor der pittoresken Kulisse des tropischen Sees. Alle sind sie Gefangene der Zeit, in der sie leben, und jeder hat seine eigene Art, damit fertig zu werden.




»Über die Jahre habe ich festgestellt, dass meine Helden allesamt gewöhnliche Menschen sind, die ungewöhnliche Dinge tun. Was mich beschäftigt ist immer der Mensch, der sein Leben in Würde zu leben versucht.« Alex Capus


Produktdetails

ISBN-10: 3-8135-0272-4
EAN: 9783813502725
Erschienen: 20.08.2007
Verlag: Knaus
Einband: gebunden
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 301
Gewicht: 443 g
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Alex Capus

Alex Capus, geboren 1961 in Frankreich, studierte Geschichte, Philosophie und Ethnologie in Basel und arbeitete während und nach seinem Studium als Journalist und Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen und bei der Schweizer Depeschenagentur. 1994 veröffentlichte Alex Capus seinen ersten Erzählband ("Diese verfluchte Schwerkraft"), dem seitdem neun weitere Bücher mit Kurzgeschichten, historischen Reportagen und Romanen folgten. Capus verbindet sorgfältig recherchierte Fakten mit fiktiven Erzählebenen, in denen er die persönlichen Schicksale seiner Protagonisten einfühlsam beschreibt. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt; für seine schriftstellerische Arbeit erhielt er zahlreiche Preise. Daneben hat Capus auch als kongenialer Übersetzer von Romanen des US-amerikanischen Autors John Fante gewirkt. Alex Capus lebt als freier Schriftsteller mit seiner Familie in Olten/Schweiz.

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Kundenrezensionen

  • Das Schicksal der Liemba Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Franz-Ludwig Martin, am 29.03.2012

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    Das Schicksal der Liemba
    von Franz-Ludwig Martin, am 28.03.2012

    Alex Capus hat in seinem fesselnden Roman den Bau, das Auseindernehmen, den Transport und den Zusammenbau des Schiffes am Tanganjikasee akribisch und spannend beschrieben.Das Schiff fährt heute noch und soll restauriert werden. Dazu ein Auszug aus dem Internet: Das Schiff, zusammengehalten von 160.000 Nieten, konnte in seine Einzelteile zerlegt werden und wurde auf diese Weise nach zehnmonatiger Bauzeit in 5.000 Holzkisten mit einem Gesamtgewicht von 1.200 Tonnen verpackt. Auf diese Weise gelangte die Graf Goetzen mit dem Zug nach Hamburg und von dort mit einem Dampfer nach Daressalam, der Hauptstadt der Kolonie. Hier wurden die Kisten auf die kurz zuvor eröffnete Mittellandbahn verfrachtet und nach Kigoma transportiert. Da das letzte Teilstück noch nicht rechtzeitig fertiggestellt war, mussten die Bauteile ein Stück weit von Menschen getragen werden.[2]

    Am Tanganjikasee bauten rund 250 einheimische Arbeiter und 20 Inder unter der Leitung von Rüter, einem Gesellen und einem Nieter der Meyer-Werft das Schiff wieder zusammen.

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  • Gut recherchierter Abenteuer-Roman! Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Dorothee Jaschke, am 24.07.2011

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    Alex Capus hat gründlich recherchiert und einen tollen Abenteuer-Roman geschrieben.
    Drei Emsländer Schiffsleute werden Ende 1913 nach Deutsch-Ostafrika geschickt und geraten dort unversehens in den Krieg der Kolonialmächte. Der Roman besticht durch detailgenauen Beobachtungen, herrliche Landschaftsbeschreibungen und eine pointierte Sprache. Für alle Freunde guter historischer Romane!

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  • Nach langem Zögern... Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Melanie Winkler, am 07.07.2010

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    ... habe ich mich endlich überreden lassen und nahm das Buch (augenverdrehend) zur Hand. Ist es nicht erstaunlich, dass es häufig gerade diese Bücher sind, die einen schlußendlich am meisten packen? So hier geschehen: Die Geschichte ist so mitreißend erzählt, die Beschreibungen derart detail-getreu, dass man meint, man wäre dabei. Und es geht doch nicht nur um das Schiff, nein, es geht um so vieles mehr. Ein Weltkrieg, drei Männer, die so verschieden sind, dass sie sich beinah schon wieder ähneln und ein Land, das gebeutelt ist vom Streit fremder Nationen und das den Zwist geduldig erträgt. Dieses Buch nur den Liebhabern historischer Romane in die Hand zu geben, wäre ein Frevel! Viel Spaß beim Lesen.

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  • Abenteuerlich Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Nadja Timmann-Dörling, am 06.10.2009

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    Eine Geschichte, die man nicht nur einfach liest, sondern ein Stück weit mit lebt.
    A.Capus entführt uns nach Afrika, mitten hinein in den ungemütlichen, anstrengenden und schwülen Dschungel. Es geht um Männer während des ersten Weltkrieges, deren Schicksale sich miteinander verweben.
    Ein Buch, welches alles hat -
    Spannung, Abenteuer, Witz und Sprachgewalt.
    Ich war und bin fasziniert!

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  • Einer meiner Lieblinge! Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Christiane Graf, am 05.07.2009

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    Historisches & Privates vermischt der Autor äußerst gekonnt, das Ergebnis ist ein vergnüglicher Roman über Ereignisse im Schatten der großen Weltgeschichte. Ein leicht exotischer Genuss mit einem bitter-süßen Nachgeschmack und einer meiner Lieblinge!

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  • Wunderschöner historischer Abenteuerroman nach einer wahren Begebenheit Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Stefan Heidsiek, am 10.09.2008

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    Alex Capus hat schon in vielen seiner Romane bewiesen, dass er ein Händchen dafür hat Geschichte mit Fiktion zu verbinden. Bei „Eine Frage der Zeit“ ist dies nicht anders. Gekonnt schafft er es einmal mehr rund um eine wahre Geschichte, in diesem Fall der Transport des Dampfschiffs „Graf Goetzen“ nach Deutsch-Ostafrika, eine spannende und gleichzeitig sehr unterhaltsame Story zu spinnen. Vor der Kulisse des schwarzen Kontinents zur Zeit des Ersten Weltkriegs schildert er, ohne in den oftmals üblichen „Anti-Kriegs“-Jargon zu verfallen, das Leben von vier unterschiedlichen Männern, die sich in einem ausbrechenden Konflikt plötzlich auf verschiedenen Seiten gegenüberstehen. Feinde durch den Willen ihrer jeweiligen Herrscher und Figuren im Ränkespiel der großen Politik, sind sie dennoch vereint in ihrem Erleben des widersinnigen und absurden Krieges, den keiner will, aber jeder führen muss. So nimmt Capus hier nicht nur kolonialen Dünkel sowie menschliche Prahlerei und Großspurigkeit aufs Korn, sondern zeigt gleichzeitig die grausamen Auswirkungen der so genannten Zivilisation auf einen bis dato unberührten Flecken der Erde. Überhaupt ist es in erster Linie diese bildreiche, wortwitzige Sprache des Autors, die den Leser von Seite eins an packt und hundert Jahre in die Vergangenheit katapultiert. Derart lebendig und realistisch erzählt, meint man bald die tropische Hitze selbst spüren, das Donnern der Kanonen selbst hören zu können. Hinzu kommen die einfach grandiosen Figuren, allen voran der aufschneiderische, aber auch irgendwie liebenswerte Commander Spicer Spencer, die der Autor mit Humor und Augenzwinkern gezeichnet hat. Hier fühlt man sich unwillkürlich an T.C. Boyles „Wassermusik“ erinnert. Insgesamt ist „Eine Frage der Zeit“ ein wunderschöner historischer Abenteuerroman nach einer wahren Begebenheit, der blendend unterhält und leise gegen die Sinnlosigkeit des Kriegsführens appelliert.

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  • Gequirlter Kolonial-Käse Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 06.01.2008

    1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Das Buch beginnt mit einem Kapitel, das „Nachspiel“ heißt. Dabei entstehen beim Leser Fragen, auf deren Beantwortung man nach der Lektüre hofft. Doch man wird enttäuscht: Stilistisch arm, dröge und spannungsfrei plätschern die gut 300, in lesefreundlicher Großschrift gedruckten Seiten dahin. Dabei bedient sich der Autor eines gekünstelten Schreibstils, der an die wilhelminische Zeit erinnern soll, meist aber nur lachhaft wirkt. Seitenweise werden Originaltexte zitiert, militärische Meldungen, Briefe, Telegramme. Drei deutsche Werftarbeiter, Rüter, Wendt und Tellmann, werden 1913 mit dem zerlegten Schiff „Götzen“ in die deutsche Kolonie Tansania an den Tanganjikasee geschickt, der hartnäckig und orthografisch falsch Tanganikasee geschrieben wird. Dort sollen sie das Schiff für Kaiser und Vaterland montieren und in Betrieb setzen. Dauer der Mission: 1 Jahr. Die faden Erlebnisse der drei werden episodenhaft aneinandergereiht und mit launigen Kapitelüberschriften versehen. Parallel dazu entwickelt der Autor das Charakterporträt des ebenso dämlichen wie arroganten britischen Marineoffiziers Spicer, das aber leider asynchron erzählt wird. Diese minutiöse auf weit über 100 Seiten geblähte Charakterstudie ist der kaum erkennbare Glanzpunkt des Buches, hat aber weder mit dem Buchtitel, den anderen Protagonisten, noch mit der Story insgesamt etwas zu tun. Alle werden natürlich vom Krieg überrascht. Spicer – der wahre Doppelnull-Agent – trotz seiner etlichen Fehlschläge mit der Aufgabe betraut, zwei kleine Schifflein zum Tanganjikasee zu transportieren, die drei Deutschen sollen derweil die Götzen für das Militär fertig stellen, was Rüter wohl nicht passt, weshalb er in einen nicht näher motivierten Bummelstreik tritt. Die Deutschen Kolonialherren werden immer übler in ihren Machenschaften, während die Engländer ganz harmlose Sportsfreunde und die Belgier nett, aber ein bisschen schlampig organisiert sind. Wie gut, dass bald Spicer eintrifft und den Laden aufmischt. Zuerst einmal versenkt er zwei altersschwache Barkassen der Deutschen, wobei unklar bleibt, ob Wendt dabei ums Leben kam. Der erwartete Showdown, der dem Buch noch ein spannende Wendung gegeben hätte, bleibt jedoch aus: Die Protagonisten begegnen sich nie, die Götzen läuft nie aus. Das Buch endet ohne Ende: Man erfährt nichts über das Schicksal der Hauptpersonen, man erfährt nicht, wie Spicer auf die Titelseiten der Londoner Zeitungen kommt, was in der Buchmitte beiläufig angedeutet wird. Der strukturlose Kolonial-Käse wird durch zwei lieblose „Strichel-Landkarten“ ergänzt (die allen Ernstes ein Copyright besitzen). Der „von der Kritik hoch gelobte Autor“ sollte mal einen VHS-Kurs „Spannend schreiben“ besuchen. Fazit: todlangweilig, vom Kauf wird abgeraten.

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  • Ein Buch ohne Höhepunkte Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Heinz-Walter Brandt, am 21.10.2007

    0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Ich habe mich bei Lesen des Buches bemüht, den (fehlenden) Spannungsbogen zu finden. Die Zeit verging. Ich war mit dem Buch fertig und fragte mich, was ich nun eigentlich gelesen habe ?!? Ein Buch, dass nichts für mich ist. Die Storry setzt immer mal an, spannend zu werden und baut eine Erwartungshaltung auf, die dann aber immer wieder enttäuscht wird. Ein Buch ohne Höhepunkte und ohne Spannung. Für mich war es sehr langweilig.

    Fazit: Ist nichts für mich !!!

    Heinz-Walter Brandt (Pseudonym)
    September 2007

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Blind und irr vor Erschöpfung kletterte Anton Rüter den Bahndamm hinauf, dem er seit der Morgendämmerung entgegengelaufen war. Zwischen den Büscheln harten Buschgrases raschelten Schlangen und Echsen, hoch über ihm brannte die Sonne, und hinter ihm lag das Hochland Ostafrikas, das nun, zu Beginn der Regenzeit, über Hunderte von Kilometern überschwemmt war. Zehn Tage lang hatte er allein die geflutete Steppe durchwandert. Nachts hatte er sich an Bäume gelehnt und knietief im Wasser stehend stundenweise geschlafen; manchmal war er auch, umschwärmt von Wolken von Stechmücken, auf die Spitze eines Termitenhügels geklettert und hatte sich wie ein Hund zusammengerollt. Gegessen hatte er die rohen Kadaver ertrunkener Tiere, die sich in den Ästen gestürzter Bäume verfangen hatten, und getrunken das brackige Wasser, durch das er gewatet war. Sein Haar war filzig, der Bart lang, die nackten Beine waren übersät mit Dschungelgeschwüren. Seine Uniform, die in Fetzen an ihm herunterhing, war ein phantastisches Sammelsurium aus den Schlachtfeldern, über die er geflohen war. Die Jacke hatte er einem toten belgischen Askari abgenommen, die kurze Hose einem rhodesischen Sergeanten, den Tropenhelm einem südafrikanischen Offizier. Die Sandalen hatte er selbst geschustert aus den Überresten seiner eigenen Stiefel.
Nun lag er bäuchlings zwischen den Gleisen und presste das Gesicht auf den rostroten Schotter, horchte ins ohrenbetäubende Gekreisch der Zikaden und wagte es nicht, auf die andere Seite des Damms hinunterzuspähen. Anton Rüter wusste nicht, worauf er hoffen sollte. Falls sich, was er befürchtete, auch hinter dem Gleis bis zum Horizont das wüste, überschwemmte Grasland hinzog, würde er an Hunger und Entkräftung sterben. Wenn dort aber ein Eingeborenendorf lag, würde man ihn totschlagen wie einen Hund. Und falls er auf Soldaten stieß, würde man ihn erschießen, hängen oder bestenfalls in Ketten legen.
Da stach ihm ein Geruch in die Nase - der Duft von heißem Haferbrei. Anton Rüter schnupperte, ungläubig erst noch, dann voller Gier. Kein Zweifel, seine von langem Hunger geschärften Sinne täuschten ihn nicht. Das war Haferbrei, vermutlich ohne Zucker und Salz zwar, wie ihn die Briten mochten, und höchstwahrscheinlich mit Wasser statt mit Milch zubereitet - aber unbestreitbar Haferbrei. Er hob den Kopf, fasste mit beiden Händen die glühend heiße Schiene und zog sich vorwärts - und als er am Rand des Bahndamms anlangte, hatte er keinen Blick für den Trupp "King's African Rifles", der einen Steinwurf entfernt am Rande eines Wäldchens ihr Lager aufgeschlagen hatten. Er nahm keine Notiz von den fünf Panzerautos, den Minenwerfern, Maschinengewehren und den Bergen von Munitionskisten, er ignorierte die dreißig sauber gekämmten Männer in ihren tadellosen Uniformen, die ihre Zelte aufschlugen, Proviant ausluden, im Schatten der Bäume ruhten. Nur für eines hatte Anton Rüter Augen - das war der duftende Kupferkessel, der fahrlässig unbewacht abseits der Zelte am Waldrand über einem Feuer hing. Er rappelte sich auf und stürzte hinunter, griff sich den Kessel und torkelte dem Wäldchen entgegen, hörte nicht die überraschten Ausrufe der Engländer, auch nicht das Bellen der Hunde und das Pfeifen der Pistolenschüsse, verschwand im schützenden Dunkel zwischen den Bäumen und fiel nach wenigen Schritten samt Kessel und Haferbrei in eine Bachschlucht hinunter, die er im dichten Unterholz nicht hatte sehen können. Als er zerschunden, zerschlagen und verbrüht vom heißen Haferbrei am Grund der Schlucht wieder zu sich kam, verkroch er sich unter dem Wurzelstock eines umgestürzten Baumes, lauschte dem Hundegebell und den Stimmen der Männer, und da sie nicht näher zu kommen schienen, leckte er sich den Haferbrei vom Leib in der Gewissheit, dass man ihn über kurz oder lang finden würde. Dann schlief er ein und vergaß den Kessel und die Pistolenschüsse, die Hunde und den Bahndamm und das endlose Wasser und überhaupt alles, was er in den letzten vier Jahren erlebt, erduldet und getan hatte.


Nachts kamen die Flusspferde


Es ist ja nicht so, dass der Mensch sich in jedem Augenblick seines Lebens darüber Rechenschaft gibt, wie wichtig oder belanglos die Dinge sind, die er so treibt, während die Zeit vergeht. Jeder rührt seinen Teig, schleppt seinen Stein, striegelt sein Pferd. Man hat Zahnschmerzen und macht Pläne, isst Suppe und geht sonntags spazieren; und ehe man es sich versieht, ist eine Pyramide gebaut, eine Millionenstadt mit Brot versorgt, ein Zarenreich gestürzt. Große Taten, unsterbliche Werke - die vollbringt man nicht im Vollgefühl ihrer Bedeutsamkeit; man mag sich nicht unablässig selbst befragen. Sonntags vielleicht, und an Silvester. Aber doch nicht bei der Arbeit.
Schiffbaumeister Anton Rüter zerbrach sich gewiss nicht den Kopf über die historische Bedeutsamkeit des Augenblicks, als ihn die Fabriksirene der Papenburger Meyer Werft am 20. November 1913 kurz nach halb elf Uhr zur Schiffstaufe rief. Eine Pause war eine Pause. Es würde Ansprachen und Branntwein für alle geben, und dann Tabak in jenen langen, holländischen Tonpfeifen, die die Werft für solche Anlässe kistenweise auf Lager hielt. Er durchmaß mit sparsamen Schritten den Maschinenraum des nagelneuen Schiffes, schob vorsichtig am Dampfregler und lauschte dem Gleiten der Kolben, dem Summen der Räder und dem Zischen der Ventile. Während draußen die Kapelle des Papenburger Turnvereins "Heil dir im Siegerkranz" spielte, kontrollierte er die Spannung des Stromgenerators, warf einen Blick in die Feuerluken und vergewisserte sich, dass der Frischwasserhahn offen war. Er war stolz auf das Schiff. Die Götzen war sein Schiff - das größte und schönste Schiff, das je in Papenburg gebaut worden war. Rüter hatte sich das Schiff ausgedacht, er hatte die ersten Pläne gezeichnet und zehn Monate lang den Bau geleitet, und die wichtigsten und heikelsten Arbeiten hatte er eigenhändig ausgeführt. Seit der Kiellegung hatte er seine Tage im Gerippe des Schiffsrumpfs verbracht, und oft auch die Nächte; wenn er wach war, hatten seine Gedanken um das Schiff gekreist, und wenn er schlief, hatte er von ihm geträumt. Und jetzt war es fertig. Die Maschinen liefen rund, der Dampfdruck war stabil. Darüber, dass er das Schiff gleich nach der Taufe wieder in seine kleinsten Einzelteile zerlegen würde, grübelte Anton Rüter nicht nach. Das war nun mal seine Aufgabe, und technisch würde es keine Schwierigkeiten geben. Er wischte sich mit einem Lappen die Hände ab und stieg hinauf aufs Hauptdeck.

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