Liebeskind. Blanvalet Taschenbücher, Band 37075

Kommissarin Greves zweiter Fall

von Christine Westendorf

Buch

Taschenbuch (475 Seiten)

Sprache: Deutsch

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Rätselhaft und diabolisch!


Zwei Tote in einer Woche. Einer mit durchtrennter Kehle, ein anderer von einem Fabrikregal erschlagen. Beide waren im beschaulichen Maschen bei Hamburg zuhause, und beide wurden nach Eintritt des Todes grausam verstümmelt. Kommissarin Greve ist ratlos. Bis auf eine ominöse, unauffindbare Frau gibt es keine Spur. Doch dann ereignet sich ein dritter Mord, und mit ihm findet sich der erste Hinweis: Die Opfer gingen alle in dieselbe Schulklasse. Was haben sie sich nur einst zuschulden kommen lassen, dass nach so langer Zeit derart grausam Rache geübt wird?


Christine Westendorfs neuer Hamburg-Krimi, der menschliche Abgründe in ihren dunkelsten Tiefen auslotet. Grandios und atmosphärisch!


Produktdetails

ISBN-10: 3-442-37075-2
EAN: 9783442370757
Erschienen: 07.09.2009
Verlag: Blanvalet
Einband: Taschenbuch
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 475
Gewicht: 373 g
Reihe: Blanvalet Taschenbücher
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Christine Westendorf

Christine Westendorf wurde1960 in Hamburg geboren,wo sie nach einem Lehramtsstudium und einer Ausbildung zur Goldschmiedinauch langjährig und freiberuflich tätig war. Heute lebt und arbeitet sie im Landkreis Harburg, wo sie an einem privaten Bildungsinstitut für Orthographie und Schreibtechnik arbeitet. Dabei kümmert sie sich vor allem gezielt um die Förderung und Motivierung von Menschen mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche. Nebenbei widmet sie sich dem Schreiben. Nach "Und jeder tötet, waser liebt" ist "Liebeskind" ihr zweiter Krimi um Kommissarin Anna Greve und ihrem Kollegen Lukas Weber.

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Kundenrezensionen

  • Auf dem richtigen Weg... Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 30.11.2011

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Da die Inhaltsangabe bereits bei der ersten Rezension sehr ausführlich ausgefallen ist, beschränke ich mich auf meinen persönlichen Eindruck. "Liebeskind" ist um einiges ausgereifter und spannender als der Vorgänger "Denn jeder tötet, was er liebt". Dass man die Täterin von Anfang an kennt, tut der Spannung keinen Abbruch, im Gegenteil. Die Vermischung der Zeitebenen ist aus meiner Sicht eher förderlich. Die interessanteste Frage für mich war, ob Elsa in der Lage sein würde, aus ihrem Egoismus und Egozentrismus herauszutreten und einzulenken bzw. sich selbst kritisch zu sehen, oder ob sie sich immer weiter in ihre überwundene Opferrolle hineinsteigern würde.

    Die Privatstory um Anna Greve bleibt auch noch einigermaßen spannend, nur sollte das Thema Ehemann oder Bruder nicht noch weiter ausgereizt werden sondern im nächsten Buch ein Ende finden, so oder so oder noch ganz anders. Auf voller Linie unsympathisch ist Kollegin Markisch aus Hannover. Ich weiß, dass sie auch weiterhin eine Rolle spielen wird, was ich bedauerlich finde, weil sie eine Kriecherin und Verräterin ist. Vielleicht ändert sich das ja auch, denn immerhin heißt sie im Folgeroman nicht mehr Sigrid sondern Lydia mit Vornamen...

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  • Den Mörder gleich zu anfangs präsentiert = gebremste Spannung Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Bellexr, am 19.04.2010

    0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Kommissarin Anna Greve und ihr Kollege Lukas Weber stehen vor einem Rätsel. Binnen einer Woche ereignen sich zwei unterschiedliche Morde, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Allerdings kannten sich die beiden Mordopfer; während der Schulzeit waren sie die besten Freunde. Liegt hier das Motiv versteckt? Da einer der Morde in den Zuständigkeitsbereich der Polizei in Hannover fällt, erhalten Greve und Weber Unterstützung durch Kommissarin Sigrid Markisch. Allerdings ist diese sehr schnell der Auffassung, dass das Motiv bei den Anlagegeschäften eines der Mordopfer zu suchen ist. So laufen die Ermittlungen in verschiedene Richtungen, allerdings ohne nennenswerte Ergebnisse. Dann geschieht ein dritter Mord und plötzlich haben die Ermittler eine heiße Spur.

    In ihrem zweiten Fall ermittelt die sympathische Hamburger Kommissarin dieses Mal in dem kleinen Ort Maschen. Die Ermordeten Torsten Lorenz und Rainer Herold sind zusammen zur Schule gegangen und besonders Rainer hatte nie eine Gelegenheit ausgelassen, seine Mitschüler zu mobben. Besonders die durch ein Feuermal im Gesicht gezeichnete Elsa hatte unter seinen Schikanen zu leiden. Sie, als Kind und Jugendliche nicht besonders hübsch, leicht dicklich, aus einem zerrütteten Elternhaus, introvertiert und seelisch gestört, kehrt nach Jahren in ihr altes Heimatdorf zurück, um sich an den Peinigern ihrer Schulzeit zu rächen.

    In Rückblenden lernt man nach und nach die schwierige Kindheit von Elsa kennen, was die Autorin sehr eindringlich beschreibt. So erfährt man schnell die Beweggründe für die Morde und erhält dadurch eine Erklärung für ihre unbändige Rachsucht. Den Charakter von Elsa beschreibt die Autorin nicht unbedingt symphatisch. So stellt sie Elsa als eine sehr eigennützige, ichbezogene junge Frau dar, deren Gedanken sich einzig und allein um sich selbst und ihre Rache drehen.

    Die Ermittlerin Anna Greve muss sich in diesem Band mit ihrem verantwortungslosen Mann herumärgern sowie ihrem ältesten Sohn Ben. Der Vierzehnjährige scheint sich ein paar "falsche" Freunde ausgesucht zu haben und probiert seine ersten Joints aus. Auf Hilfe von ihrem Mann Tom kann sie nicht rechnen, da dieser lieber jedem Problem aus dem Weg geht und so ziehen sich die Probleme über den ganzen Krimi hinweg, wobei das Thema meines Erachtens etwas zu lasch abgehandelt wird. Dadurch wirkt diese Nebenstory für mich etwas konstruiert und scheint nur erzählt zu werden, um dem Leser hier ein wenig das Privatleben von Anna näher zu bringen.

    Dadurch, dass man bereits nach wenigen Seiten die Mörderin kennt wie auch das Motiv, wobei der Hauptgrund der Morde erst zum Schluss enthüllt wird, nimmt dies dem Krimi ziemlich die Spannung. So gehen einem stellenweise die Ermittlungen einfach zu schleppend voran, besonders zur Mitte hin zieht sich der Krimi doch ganz schön. Erst zum Ende hin, da sich hier auch noch eine interessante Wendung ereignet, wird er wieder richtig spannend bis zum wirklich fesselnden Finale.

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Elsa in Maschen, am letzten Tag der Sommerferien im August 1987.


Die anderen lachten, aber als Elsa sich ihnen zuwandte, hörten sie sofort damit auf. Ein aprikosengroßer Fleck machte sich auf ihrer rechten Gesichtshälfte breit. An den Rändern war er schartig ausgefranst, seine kraterhafte, rote Oberfläche ließ Elsa immer an Pockennarben denken. Auch schien er ihr noch viel größer zu sein, als er in Wirklichkeit war. Wenn sie sich in den Fenstern irgendwelcher Häuser betrachtete, kam ihr in den Sinn, alle Menschen um sie herum hätten ihre Spiegel gegen solche ausgetauscht, die verkleinerten, beschönigten. Aber in Wahrheit stimmte das nicht, dieses Mal bedeckte nahezu ihr ganzes Gesicht. Machte nur Halt vor der kartoffelartigen Nase und der Partie darüber, mit dem unter einem Schlupflid blitzenden, katzengrünen Auge. Zum Abschied schaute Elsa noch einmal verächtlich zu ihnen hinüber, jetzt lachte auch sie, ein Krächzen kam aus ihrem Mund.
Das hier war also das Ende. Schon morgen wäre sie in einer anderen Schule, weit fort. Nie hätte sie für möglich gehalten, dass diese Geschichte einfach so aufhören würde. Sie ging den Weg zur Siedlung hinunter, und während sie ging, fühlte sie die Augenpaare der anderen heiß in ihrem Rücken. Ihre schwarzen Schuhe mit den hohen Absätzen, nur mühsam kam sie darin auf den ausgetretenen Steinen voran. Eben noch meinte Elsa, ein Gefeixe hinter sich gehört zu haben, doch da war nichts als ihre widerhallenden Schritte auf dem Kopfsteinpflaster. In früheren Zeiten hätte sie sich keine Sorgen um ihren Lebensunterhalt zu machen brauchen, das Mal hätte ihre Existenz gesichert. Als Monstrum - zur Schau gestellt auf der hölzernen Bühne eines Kuriositätenkabinetts. Sie wäre die Attraktion gewesen auf dem Jahrmarkt, bestimmt hätte sie dort auch einen Freund gefunden. Ein unvergleichliches Paar wären sie gewesen - das Mädchen mit dem Feuermal und der Elefantenmensch.


Rainer Herold rieb sich die Augen und gähnte. Hinter ihm lagen viele Flugstunden von New York nach Hamburg, vor ihm ein wichtiger Geschäftstermin. Dazwischen lag Maschen. Er sah aus dem Fenster auf die ordentlich geharkten Wege, kein Grashalm wuchs, wo er nicht hingehörte. Maschen, das Kaff, wie sehr er es doch verachtete. Und seine Eltern lebten noch immer in diesem Haus, von dessen oberem Stockwerk er nun in die Nachbargärten hinunterschaute und in dem er vor fünfunddreißig Jahren geboren worden war. Gerade eben hatte er die beiden ziemlich kurz abgefertigt, trotzdem empfand Rainer keine Reue. Sie würden damit umgehen müssen, dass er erst einmal seine Ruhe haben wollte. Er saß auf der Bettkante in seinem alten Zimmer und starrte auf die Glasvitrine mit den Sportpokalen. Immer würden sie die Zeugen einer erfolgreichen Jugend bleiben. Seine Eltern hatten alles so gelassen, wie es gewesen war, bevor er fortging. Warum eigentlich? Rainer war zu müde, um ernsthaft darüber nachzudenken. Er ließ sich von der Bettkante auf die Daunendecke zurückfallen und schlief sofort ein.
Es war bereits dunkel, als er aufwachte. Schnell sprang er aus dem Bett, zog sich den an den Rändern ausgefransten, blauen Bademantel mit dem goldbestickten Klubabzeichen über und lief die Treppe ins Erdgeschoss hinunter. Seit er die
Tür zu seinem Apartment in New York hinter sich zugeschlagen hatte, lag der Duft von Sauerbraten in der Luft. Seine Mutter und ihr Sauerbraten; kochen konnte sie wirklich. Dafür lohnte sich der weiteste Weg.
Auf dem letzten Treppenabsatz angekommen, stolperte er über seine Laptoptasche, die noch immer dort lag, wie er sie vorhin fallen gelassen hatte, und stieß sich den Fuß an der Bodenvase. Unten war es dunkel. Es roch auch nicht nach Essen. Fluchend rieb er sich seinen großen Zeh, machte Licht und fand schließlich einen Zettel auf dem Küchentisch. "Lieber Junge, wir sind heute Abend bei Schultes eingeladen und wollten dich nicht stören. Falls du Hunger hast, im Kühlschrank ist Heideschinken. Die Butter und das Schwarzbrot findest du, wie immer, in der Speisekammer. Bis nachher - Mama."
Er zerriss das Blatt, dann warf er die Schnipsel in den Mülleimer. Da flog er um die halbe Welt, fairerweise musste er eingestehen, nicht nur, um seine Eltern zu besuchen, und dann waren die beiden einfach ausgegangen. Sie hatten nichts Besseres zu tun gehabt an diesem Abend, als den senilen Schulte und seine ewig nörgelnde Frau zu besuchen. Nachbarn, die sie sowieso täglich sahen. Sein Magen meldete sich wieder, doch die Aussicht auf ein paar belegte Brote machte seine Gier nach einer warmen Mahlzeit nur noch schlimmer. Nein, er würde nicht hier herumsitzen und warten, bis sie geruhten zurückzukommen.
Rainer Herold zog den Mantelkragen hoch, als er in den bedeckten Winterhimmel starrte. Während seine Augen die Sterne suchten, lehnte er sich für einen Moment an die Hauswand. Er bemerkte nicht, wie sich dabei eine Spinnwebe auf seinen Kopf legte, ein Überbleibsel des vergangenen Altweibersommers. Jetzt hing ein Teil davon vor seinem Auge herum. Hastig fuhr er sich mit den Händen durch die Haare und sah den Rest des Gespinsts an seiner Hand kleben. Die gesponnenen Fäden waren mit Leichenteilen irgendwelcher Insekten durchsetzt, schwierig, das Zeug an seiner Hose abzuwischen. Rainer schüttelte sich. Wenn er etwas nicht leiden konnte, waren es von jeher Spinnen gewesen. Ein scharfer Wind schlug ihm entgegen, scheißkalt und nass war es hier, wie immer. Als er die Tür zum Gasthof öffnete, umfing ihn sogleich ein vertrauter Geruch von Schweinebraten, Rotkohl und Provinz. Neben dem Eingang stand der schmiedeeiserne Schirmständer, an der gegenüberliegenden Wand, wie früher, der alte Zigarettenautomat. Wenn er nur daran dachte, wie viel er gesehen und erlebt hatte, seit er zuletzt in Deutschland gewesen war. Doch hier, in dieser Kneipe, war gar nichts passiert. Allein die nordische Schneelandschaft hatte einen neuen, kitschig blauen Rahmen bekommen.
Er suchte sich einen Tisch, von dem aus er die gesamte Gaststube gut im Blick hatte. Die Kellnerin kam auf ihn zu, und er bestellte das Stammessen und ein großes Bier. Sie hatte Rainer nicht erkannt, dabei waren sie früher einmal in dieselbe Schule gegangen. Ob das an den paar Pfunden mehr lag, die er mit der Zeit angesetzt hatte?

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