1983

Thriller

von David Peace

Buch

Taschenbuch (509 Seiten)

Sprache: Deutsch

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Nachtschwarz wie ein Albtraum


Yorkshire 1983. Ein Schulmädchen wird vermisst. Die Polizei präsentiert schnell einen Hauptverdächtigen. Als dieser angeblich Selbstmord begeht, stellt Rechtsanwalt John Piggott eigene Nachforschungen an und stößt auf grausame Machenschaften und eine Reihe von Kindesentführungen, die nie aufgeklärt wurden. 1983 ist der vierte und letzte Teil des preisgekrönten Red-Riding-Quartetts.


Die Verfilmung der Thrillersaga ist in Vorbereitung.


Pressestimmen:

"Man wird beim Lesen den vergessenen Geschmack von Kohlenstaub auf der Zunge haben - und vermutlich auch den von Blut." (Tagesspiegel)

Produktdetails

ISBN-10: 3-453-67529-0
EAN: 9783453675292
Originaltitel: 1983
Erschienen: 06.07.2009
Verlag: Heyne Taschenbuch
Einband: Taschenbuch
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 509
Länge/Breite: 186mm/119mm
Gewicht: 420 g
Übersetzer: Peter Torberg
Reihe: Heyne-Bücher Allgemeine Reihe
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Peter Torberg

Peter Torberg, Jahrgang 1958, wusste mit Anfang 20 genau wie William T. Vollmann, wie die Welt zu retten sei. Mittlerweile verbessert er sie vor allem durch seine Übersetzungen. Er hat Paul Auster, Michael Ondaatje, Mark Twain, Irvine Welsh und Oscar Wilde ins Deutsche übertragen. Peter Torberg lebt in Bayern.

David Peace

David Peace wurde 1967 im Westen Yorkshires geboren. Nach einem Studium an der Technischen Hochschule von Manchester arbeitete er jahrelang als Englischlehrer in Istanbul. Heute lebt er mit seiner Familie in Tokyo. David Peace wurde u. a. mit dem Grand Prix du Roman Noir ausgezeichnet und in die renommierte Granta s List of Best Young British Novelists aufgenommen

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Kundenrezensionen

  • Brachialer Schlusspunkt eines sprachlich epochalen Quartetts Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Stefan Heidsiek, am 13.06.2012

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Mit „1983“ entzieht sich das Quartett endgültig dem Versuch, diese Reihe mit irgendetwas anderem in Vergleich zu setzen. Mag die Erwähnung Ellroys auf dem Rückendeckel dem Abverkauf dienlich sein, inhaltlich entbehren solche gezogenen Parallelen jeglicher Grundlage. Peace' Stil ist schlichtweg einzigartig. Und wo andere zumindest zwischenzeitlich immer mal wieder Lichtblicke gönnen, herrscht im Yorkshire der frühen 80er Jahre undurchdringliche Finsternis. Die Brutalität ist schonungslos, gönnt dem Leser nie eine Pause und verletzt, ja, verstört. Ob Ich-Erzähler Maurice Jobson, Ermittler und Verbrecher in einer Person, oder der aus der Du-Form berichtende Anwalt John Piggott. Einen „Guten“ gibt es, wie schon in der gesamten Reihe, auch in „1983“ nicht. Nur verschiedene Abstufungen der Farben Grau und Schwarz. Es ist eine Tristesse, welche direkt nach dem Herz greift. Eine Dramatik, die unter der Oberfläche kocht, um sich schließlich in einem apokalyptischen Ende zu entladen. Egal, was man Schlimmes erwartet hat. Peace' drastische Bilder übertreffen unsere dunkelsten Erwartungen, verlangen alles ab. In diesem Fall ist die Veröffentlichung innerhalb der „Heyne-Hardcore“-Reihe wahrlich mehr als passend.

    Die erhoffte Weiterentwicklung hinsichtlich der Art und Weise der Erzählung bietet „1983“ leider nicht. David Peace ist sich weiterhin treu geblieben, hat seinen Schreibstil mit den vielen Wiederholungen, Song-, Wort- und Satzfetzen sowie verschiedenen Erzählperspektiven allerdings noch konsequenter in Szene gesetzt, was dazu führt, dass auch die aufmerksamsten Leser den wirren roten Faden immer seltener verfolgen werden können. Deswegen an dieser Stelle ein Tipp: Ein jeder, der dieses Mammutwerk in Angriff nehmen will, tut gut daran, alle vier Bände möglichst zeitnah hintereinander zu lesen, um nicht (wie ich) aufgrund von Gedächtnislücken die geschickt inszenierten Verkettungen zu übersehen und sich damit einen Teil der Faszination dieser Reihe zu rauben. Diese wird sie jedoch nur auf diejenigen ausüben, die die Brillianz in Peace' Sprachgewalt und die intelligente Konzeption hinter dem Ganzen erkennen. Wer nur auf Unterhaltung aus ist, seine Seele baumeln und sich in fremde Gestade träumen will, ist hier gänzlich ans falsche Buch geraten.

    Nach Beendigung der Reihe bin ich weder begeistert noch enttäuscht. Stattdessen überwiegt Erleichterung. Erleichterung darüber, es bis zum Ende durchgestanden zu haben. Viele Fragen sind nach „1983“ endlich beantwortet, einige vielleicht auch mangels der notwendigen Aufmerksamkeit zumindest bei mir immer noch offen. (Was ist mit Eddie Dunford passiert? Welche Rolle verkörpert der geheimnisvolle Reverend? Etc. ) Dennoch: Das „Red Riding“-Quartett ist ein sprachlich epochales Werk, das man unter künstlerischen Gesichtspunkten sicherlich loben und wertschätzen, aber ganz sicher nicht mögen muss. Mit Abstand die härteste Literatur, die ich bis hierhin gelesen habe und ein besonderes Erlebnis.

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"Schluss mit toten Hunden und verstümmelten Schwänen", flüsterte Dick Alderman, so als ob das eine gute Nachricht wäre ...
War es aber nicht. Es war Tag 2:
9.30 Uhr ...
Freitag, 13. Mai 1983:
Polizeirevier Millgarth, Leeds ...
Yorkshire:
Wir warten in den Kulissen ...
Ich schob die Seitentür auf, und der Konferenzraum verstummte, als ich diese verdammte Parade hereinließ: Detective Superintendent Alderman und den Vater, eine Polizistin und die Mutter, Evans aus der Presseabteilung und ich .
Die Eule ...
Maurice Jobson; Detective Chief Superintendent Maurice Jobson. Wir setzten uns hinter die Resopaltische, die Mikrofone und Wassergläser.
Ich nahm die Brille ab und rieb mir die Augen .
Kein Bett, kein Schlaf, nur das hier:
Die Pressekonferenz .
Schon wieder dieser vertraute Ort:
Die Hölle.
Ich setzte die Brille wieder auf, dicke Gläser in einem schwarzen Gestell. Ich saß da und starrte hinaus in mein Publikum ... Schon wieder dieses vertraute Publikum:
Diese hundert hungrigen Bluthunde, die unter Fernsehscheinwerfern und Abgabeterminen schwitzten, unter Zigarettenqualm und dem Bier von letzter Nacht litten, mit angespannten Muskeln und sauberen Ärschen, die mit heraushängenden Zungen und wässrigen Mäulern nach Knochen verlangten ...
Frischen Knochen.
Ich stellte das Mikrofon an. Das unvermeidliche Jaulen ließ mich zurückschnellen.
Ich hüstelte mir kurz den Frosch aus dem Hals und sagte dann:
"Meine Damen und Herren, gegen 16.00 Uhr am gestrigen Nachmittag ist Hazel Atkins auf dem Heimweg von der Morley Grange Grund- und Hauptschule verschwunden. Hazel wurde zuletzt gesehen, als sie die Rooms Lane entlang zu ihrem Zuhause in Bradstock Gardens ging."
Ich nahm einen Schluck warmes, abgestandenes Wasser.
"Als Hazel nicht aus der Schule heimkehrte, riefen Mr. und Mrs. Atkins bei der Polizei in Morley an; am frühen gestrigen Abend wurde mit der Suche begonnen. Wie einige von Ihnen wissen, wurde die Polizei dabei von über hundert Ortsansässigen unterstützt. Unglücklicherweise behinderte das schlechte Wetter die Suche, die aber gegen 6. 00 Uhr heute früh wieder aufgenommen wurde. Angesichts der für diese Jahreszeit ungewöhnlichen Wetterlage und der Tatsache, dass Hazel bisher noch nie länger von zu Hause weggeblieben ist, machen wir uns Sorgen um ihre Sicherheit."
Ein weiterer Schluck warmes, abgestandenes Wasser.
"Hazel ist zehn Jahre alt. Sie hat mittellange, dunkelbraune Haare und braune Augen. Gestern Abend trug sie eine hellblaue Cordhose, einen dunkelblauen Sweater mit einem eingestickten H und eine rote ärmellose Steppjacke. Sie hatte einen schwarzen Turnbeutel dabei, der ebenfalls mit einem H bestickt ist."
Ich hielt ein vergrößertes Farbfoto in die Höhe, auf dem ein lächelndes, braunhaariges Mädchen zu sehen war. Ich sagte: "Abzüge dieses kürzlich aufgenommenen Schulfotos werden gerade ausgeteilt."
Wieder ein Schluck vom warmen, abgestandenen Wasser. Ich warf Dick Alderman am Tisch einen Blick zu. Er berührte den Vater am Arm. Der Vater schaute auf und sah mich dann an. Ich nickte. Der Vater blinzelte.
"Mr. Atkins", sagte ich, "möchte nun eine kurze Erklärung abgeben und hofft, dass Zeugen aus der Bevölkerung, die Hazel nach 16.00 Uhr des gestrigen Nachmittags gesehen haben oder Näheres über ihren Verbleib wissen, sich melden und diese Informationen an Mr. und Mrs. Atkins oder an uns weiterreichen."
Ich schob das Mikrofon über den Tisch zu Mr. Atkins, die Bluthunde krochen näher heran, keuchten, sabberten, konnten die Knochen riechen .
Die Knochen seiner Tochter ...
Die Fährte war noch frisch.
Mr. Atkins sah seine Frau an, seine Augen hinter der Brille rot von Tränen und mangelndem Schlaf, Bartstoppel, klammer, zerknitterter Anzug, er starrte die Hunde an, die warteten, beobachteten, warteten, beobachteten ...
Seine Knochen.
Mr. Atkins sagte mit deutlicher Stimme: "Ich möchte an alle appellieren, die wissen, wo unsere Hazel ist, oder sie gestern nach 16.00 Uhr gesehen haben, bitte die Polizei zu benachrichtigen. Wenn Sie etwas wissen, ganz egal, was. Bitte rufen Sie die Polizei an. Bitte ..."
Stopp .
"Lassen Sie sie nach Hause gehen."
Stopp.
Stille.
Mrs. Atkins, tränenüberströmt, mit zuckenden Schultern, Police Constable Martin hielt sie in den Armen .
Ihr Gatte, Hazels Vater, saß da mit den Fingern im Mund ...
Er sagte: "Wir vermissen sie. Ich ..."
Stopp.
Stille.
Langes, langes Schweigen.
Ich nickte Dick zu. Er schob das Mikrofon wieder über den Tisch zurück.
"Das sind alle Informationen, die wir Ihnen im Augenblick geben können", sagte ich. "Wenn Sie Mr. und Mrs. Atkins entschuldigen würden, werde ich versuchen, alle Ihre Fragen zu beantworten."
Ich erhob mich, während PC Martin und Dick Alderman Mutter und Vater durch die Seitentür geleiteten. Die noch immer hungrigen Bluthunde schauten ihnen nach ...
Hungrig nach Knochen ...
Meinen.
Allein mit Evans an der Front, fragte ich: "Meine Herren?" Aus dem dürren Wald von Händen und Geflüster drangen zwei laute Wörter:
"Clare Kemplay ."
Noch mehr Knochen ...
"Reiner Zufall", antwortete ich und sah ...
Alte Knochen.
"Reiner Zufall", wiederholte ich und wusste . Die Rettung liegt bei niemand anderem.


Oben, mit einer Tasse kaltem Tee in der Hand: "Wo sind die Eltern?" Dick Alderman: "Jim hat sie nach Morley zurückgebracht." "Wir sollten noch mal hin." Dick: "Nehmen wir meinen Wagen?" Ich nickte.
Dick drückte seine Zigarette aus und nahm seinen Mantel. "Dick?"
Er drehte sich um. "Ja?"
"Wo ist das ganze Kemplay-Zeug?"
"Wie bitte?"
"Die Akten zum Fall Clare Kemplay."
"Reiner Zufall", sagte er seufzend. "Hast du selbst gesagt, oder?" "Wo ist das verdammte Zeug, Dick?"
Er zuckte mit den Schultern: "In der Wood Street wahrscheinlich." "Danke."


Die Dewsbury Road entlang durch Beeston, über die Elland Road, bis sie zur Victoria Road wird, nach Morley ...
Dick fuhr, ich saß mit geschlossenen Augen da ...
Eisregen, Scheibenwischer und Radio:
"Aufregung und Erleichterung über die Auflösung des Parlaments vor den Wahlen am 9. Juni; Suche nach vermisster Zehnjähriger aus Morley geht weiter; Leiche eines Dreijährigen auf der Müllkippe von Northampton gefunden; 18-Jähriger erhängt sich in Polizeigewahrsam; Nilsen werden weitere Morde zur Last gelegt..."
"Was glaubst du, wie viele hat er umgelegt?" fragte Dick .
"Keine Ahnung", antwortete ich mit geschlossenen Augen. "Nicht den leisesten Schimmer."
Es schneite, mitten im Mai, und Hazel Atkins wurde seit 19 Stunden vermisst .
Verloren.

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