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1.
von Maurice Pledger
Buch | 02.08.2011
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Robert hat es schon lange satt, zu träumen. Er sagte sich: Dabei bin doch nur immer ich der Dumme.Zum Beispiel wurde er im Traum öfter von einem riesigen, unappetitlichen Fisch verschluckt, und wenn es wieder einmal soweit war, stieg ihm auch noch ein furchtbarer Geruch in die Nase. Oder er rutschte auf einer endlosen Rutsche immer tiefer in die Tiefe. Er mochte HALT! Oder HILFE! Schreien, soviel er wollte, es ging immer schneller und schneller bergab mit ihm, so lange, bis er schweißnaß aus dem Schlaf fuhr.Mit einem anderen üblen Trick wurde Robert mitgespielt, wenn er sich ganz dringend etwas wünschte, zum Beispiel ein Rennrad mit mindestens achtundzwanzig Gängen. Dann träumte ihm, daß das Rad, lilametallic lackiert, für ihn im Keller stand. Es war ein unglaublich genauer Traum. Da stand das Rad, links vom Weinregal, und er wußte sogar die Ziffernfolge des Zahlenschlosses: 12345. Das konnte er sich ja spielend leicht merken! Mitten in der Nacht wachte Robert auf, noch halb schlaftrunken nahm er den Schlüssel vom Brett und wankte im Schlafanzug die vier Treppen hinunter - und was fand er links neben dem Weinregal? Eine tote Maus. Das war Betrug! Ein ganz gemeiner Trick.Mit der Zeit fand Robert heraus, wie man sich gegen diese Gemeinheiten wehren konnte. Sobald ihm ein solcher Traum kam, dachte er blitzschnell, ohne aufzuwachen: Da ist schon wieder dieser ekelhafte alte Fisch. Ich weiß genau, wie es jetzt weitergehen wird. Der will mich verschlucken. Aber es ist völlig klar, daß es sich um einen geträumten Fisch handelt, und der kann mich natürlich nur im Traum verschlucken und sonst gar nicht. Oder er dachte: Jetzt rutsche ich schon wieder, da ist nichts zu machen, stoppen kann ich das auf keinen Fall, aber ich rutsche ja nicht wirklich.Und sobald das wunderbare Rennrad zum zweitenmal auftauchte oder ein Computerspiel, das er unbedingt haben wollte - dort stand es doch, ganz deutlich, griffbereit neben dem Telefon -, da wußte Robert bereits, daß es mal wieder reiner Schwindel war. Er beachtete das Rad gar nicht weiter. Er ließ es einfach stehen. Aber so schlau er es auch anfing, ärgerlich war das Ganze trotzdem, und deshalb war er ziemlich schlecht auf seine Träume zu sprechen.Bis eines Tages der Zahlenteufel erschien.Robert war ja schon froh, daß es diesmal kein hungriger Fisch war, von dem er träumte, und daß er nicht von einem sehr hohen, sehr wackeligen Turm auf einer endlosen Rutsche immer Tiefer in die Tiefe rutschte. Statt dessen träumte er von einer Wiese. Komisch war nur, daß die Gräser weit in den Himmel hochragten. So hoch, daß sie Robert über Kopf und Schulter reichten. Er sah sich um und erblickte direkt vor sich einen ziemlich alten, ziemlich kleinen Herren, ungefähr so groß wie eine Heuschrecke, der auf einem Sauerampferblatt wippte und ihn aus seinen glimmrigen Augen ansah.- Wer bist denn du? fragte Robert.Der Mann schrie ihn überraschend laut an:- Ich bin der Zahlenteufel!Aber Robert hatte keine Lust, sich von einem solchen Zwerg etwas gefallen zu lassen.- Erstens, sagte er, gibt es gar keinen Zahlenteufel.- So? Warum redest du dann mit mir, wenn es mich überhaupt nicht gibt?- Und zweitens hasse ich alles, was mit Mathematik zu tun hat.- Warum denn das?- ›Wenn zwei Bäcker in sechs Stunden 444 Brezeln backen, wie lange brauchen dann fünf Bäcker, um 88 Brezeln zu backen?‹ - So ein Blödsinn, schimpfte Robert weiter. Eine idiotische Art, die Zeit totzuschlagen. Also verschwinde. Hau ab!Der Zahlenteufel sprang elegant von seinem Sauerampferblatt herunter und setzte sich zu Robert, der sich aus Protest im baumhohen Gras niedergelassen hatte.- Woher hast du denn diese Brezel-Geschichte? Wahrscheinlich aus der Schule- Woher denn sonst, sagte Robert. Dr. Bockel, dieser Anfänger, der in unserer Klasse Mathematik gibt, hat nämlich immer Hunger, obwohl er schon so dick ist. Wenn er denkt, wir merken es nicht, weil wir über unseren Rechenaufgaben brüten, holt er jedesmal heimlich eine Brezel aus seiner Aktent2.
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